Silber-pokal und tempo-duell: handballer feiern em-platz eins gegen ägypten
18.15 Uhr, Westfalenhalle: Die deutschen Handballer treten an, aber der erste Sieg steht schon fest. Nach dem Abpfiff gegen Ägypten wird der EM-Zweite offiziell geehrt – mit Band, Autogrammen und einer Frage, die hinter der Show nagt: Reicht Silberglanz als Treibstoff für die WM 2027?
Die gute laune war gestern
Miro Schluroff und seine Mannen hören „Gute Laune“ seit Januar in Dauerschleife. Diesmal kommt sie live von GroßstadtEngel, die den gleichnamigen Song auspacken. Der Verband nennt es „Dank an die Fans“, die Spieler nennen es Programmpunkt. Aber die wirkliche Melodie wird 60 Minuten zuvor erklingen – wenn der Afrikameister mit seinem europäischen All-Star-Team anreist.
Ägyptens Tempo ist keine Metapher. Sieben Akteure laufen in Champions-League-Top-Teams auf, WM-Viertelfinalist ist kein Etikett, sondern Warnung. „Wir werden gefordert, sonst stehen wir still“, sagt Julian Köster und meint nicht die Autogrammstunde. Der Rückraumshooter weiß: Jeder Kilometer, den Ägypten rennt, zwingt Deutschland, sich zu verändern. Die Heim-WM ist 25 Monate entfernt, das Taktikbuch aber muss heute Nacht schon dicker sein.
Tom Kiesler spricht vom „athletischen Handgemenge“. Der Abwehrbolzer liebt klare Worte. Er liebt klare Rollen noch mehr. Gegen die Pharaonen droht ein Kleben an der eigenen Hälfte, weil Ägyptens Kreisläufer wie Sprinter starten. Deutschland will Antworten, nicht Alibitore.

Bremen folgt, der countdown läuft
Sonntag, 15.30 Uhr, neues Stadion, selber Gegner. Alfred Gislason hat zwei Tage, um Muster zu erkennen. Dänemark hat gezeigt, dass EM-Silber keine Garantie für Punkte ist. Die nordeuropäische Lektion war ein K.O.-Schlag in letzter Sekunde. Gegen Ägypten droht ein anderes Déjà-vu: physischer Druck bis zur Schmerzgrenze.
Köster schwärmt vom „unfassbar geilen“ Heimturnier 2019. Die Erinnerung ist Treibstoff, aber kein Taktikplan. Die Westfalenhalle wird heute kochen, doch die wirkliche Hitze entsteht nur, wenn das Team beweist, dass Silber keine Eintagsfliege war.
Punkt 20 Uhr stehen die Spieler am Rand, Medaillen um den Hals, Stifte in der Hand. Dann verstummt die Band. Fortan zählt nur noch der nächste Wurf. Und der fällt nicht vom Publikum, sondern von denen, die lernen müssen, dass gute Laune ohne harte Arbeit schnell verebbt.
