Silber war gestern: schweizer speed-herren zielen auf gold

Die Schweiz schickt vier Muskelpakete an die Junioren-WM, die nur ein Ziel kennen: Silber ist ab jetzt Verrat. Sandro Manser, Jack Spencer, Robert Clarke und Aurelio Wyrsch wollen die Farbe des letzten Jahres in die Tonne treten – und dafür bezahlen sie mit Trainingsstunden, die selbst Ski-Oldies gruseln.

Manser will franjo von allmen überholen

Sandro Manser lacht nicht, wenn man ihn an Silber erinnert. „Letztes war Medaille das Ziel, dieses Jahr ist Gold das Ziel“, sagt der 20-Jährige und meint es so ernst, dass selbst sein Snowboard-Kollege im Lift schluckt. Der B-Kader-Fahrer hat die Rechnung schon gemacht: Ein Titel bedeutet Startrecht fürs Weltcupfinale – und gleichzeitig die erste Scharte gegenüber Franjo von Allmen. „Bis jetzt kann ich knapp mit ihm mithalten. An der Junioren-WM lege ich einen drauf“, wirft er in den Schnee, als wäre es ein Handschuh.

Dabei weiß Manser, dass er sich zwischen zwei Stühlen entscheiden muss. Europacup-Finale und Junioren-WM laufen parallel. Wer dort Gold holt, darf einmal im Weltcup starten. Wer sich im Europacup durchbeißt, erhält zehn Starts. „Zehn schlägt eins, da fällt die Wahl nicht schwer“, sagt er und klingt schon wie ein Weltcup-Rechenmeister. Die Konkurrenz im Europacup ist so stark, dass er lieber auf Weltcup-Abfahrten verzichtet, statt risikoreich zu punkten.

Spencer, clarke und wyrsch liefern interne konkurrenz

Spencer, clarke und wyrsch liefern interne konkurrenz

Jack Spencer, letztes Jahr noch Team-Silber mit Gabin Janet, hat innerhalb der Truppe den Ruf, „den steilsten Hang zu lieben“. Manser nennt ihn „grössten teaminternen Konkurrenten“. Die Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache: Noch keine einzige Europacup-Punktung. Dafür zeigt er in FIS-Rennen, wozu seine 20 Jahre taugen – zuletzt im Riesenslalm besser als in der reinen Speed-Disziplin.

Robert Clarke feierte gestern seinen zwanzigsten Geburtstag und kann sich selbst kaum noch zählen, wie viele Disziplinen er startet. Slalom und Riesenslalom sind fix, Abfahrt und Super-G hängen am Wetter – insgesamt fünf, vielleicht sechs Rennen. Clarke ist kein Speed-Reinblut, doch ein Sieg im Super-G bei einem FIS-Rennen und ein Podest in der Abfahrt zeigen: Der Romand kann auch ohne Torstangen schnell.

Aurelio Wyrsch wird mitten bei der WM 21 Jahre alt. Die St.Galler Technik-Hoffnung gewann 2024 einen FIS-Slalom und stampfte im Dezember einen Riesenslalm in den Schnee. Speed? Drei Jahre her, dass er letztmals eine Abfahrt fuhr. Sein Super-G-Elfter vom Vorjahr ist aber ein Versprechen, dass er auch dort mitmischen will.

Trainingsabbruch vor dem rennen bringt extra-nervosität

Trainingsabbruch vor dem rennen bringt extra-nervosität

Am Samstag fiel das letzte Training aus. Keine Probefahrt, keine letzte Korrektur. Für Manser ein Déjà-vu: „Letztes Jahr lief’s trotzdem mit Silber.“ Die Jungs wissen: Wer jetzt zittert, verliert Hundertstel. Wer traut sich, wird belohnt. Die Schweizer Speed-Bande hat nur eine Farbe im Visier – und die ist nicht grau.