Shiffrin zieht in are davon, aicher atmet ihr in den nacken

Mikaela Shiffrin donnert auch im schwedischen Are durch die erste Slalom-Durchgang wie eine Lawine: 51 Hundertstel Vorsprung auf Verfolgerin Emma Aicher, 120 Punkte Vorsprung im Gesamtweltcup – und trotzdem ist die Sache noch längst nicht gelaufen.

Die US-Amerikanerin hat den Slalom-Globus bereits sicher, doch genau das macht die Lage brandgefährlich. Aicher, 20 Jahre alt, frisch aus dem Oberjoch, fährt wie entfesselt. Sie will in Kvitfjell nächste Woche in allen vier Disziplinen starten, Shiffrin nur in zwei. Die Mathematik ist einfach: Wenn die Deutsche heute gewinnt und nächste Wende punktet, schmilzt der Vorsprung auf ein Minimum.

Die italienischen quoten-außenseiter

Die italienischen quoten-außenseiter

Hinter dem Top-Duo kämpft das Azzurri-Trio um Ehrenplätze. Lara Della Mea liegt als 15. 1,97 Sekunden zurück, Emilia Mondinelli startet als 22. (+2,61) und Giulia Valleriani als 30. (+3,12) in Durchgang zwei. Für Podestträume reicht es nicht, aber ein Top-15-Ergebnis wäre ein Befreiungsschlag nach dem enttäuschenden Saisonverlauf. Beatrice Sola, Alice Pazzaglia und Martina Peterlini schafften den Cut nicht – Peterlini sogar mit Knieproblemen, sie hob schon bei Tor 14 die Hand.

Der Slalom wurde zum Glück nicht zum Schneechaos wie der Super-G von Courchevel, der am Freitag wegen dichtem Schneetreiben und Nebel abgesagt wurde. Marco Odermatt profitierte und holte sich vorzeitig den Disziplins-Globus – sein dritter dieser Saison nach dem Riesentorlauf und der Gesamtwertung.

Are bietet dagegen perfekte Bedingungen: Hartgefrorene Piste, strahlender Sonnenschein, 12.000 Zuschauer, die sich auf ein Duell auf Biegen und Brechen freuen. Shiffrin hat hier sieben von acht Weltcup-Slaloms gewonnen, Olympiagold 2021 inbegriffen. Doch Aicher war in Sölden schon einmal schneller. Die 51 Hundertstel sind ein Sechstel ihrer bisherigen Bestmarke – ein Handtuch wirft die Deutsche nicht.

Start der zweiten Runde: 12.30 Uhr. Wer zittert, verliert. Shiffrin weiß das, Aicher auch. Und die Italienerinnen? Die hoffen auf ein kleines Wunder – und auf einen Kurs, der nicht nur die Großen belohnt.