Shelton schlägt lehecka im triple-tiebreak-krimi – us-duell um den weissenhof-thron
Ben Shelton stampfte mit letzter Kraft die Faust in den Rasen, als hätte er das Weißenhof-Stadion allein aufgerissen. Drei Stunden und 17 Minuten lang hatte der 23-Jährige gegen Jiri Lehecka um jeden Zentimeter gekämpft – und am Ende triumphierte er mit 6:7, 7:6, 7:6. Drei Sätze, drei Tiebreaks, null Breaks. Tennis in Reinform.
Leheckas matchbälle verpuffen im lärm
Der Tscheche servierte bei 14:13 im zweiten Tiebreak zum Matchgewinn. Das Publikum schrie, die Linienrichter schluckten. Doch Shelton schmetterte eine Rückhand cross ins Eck, riss sich anschließend seinen Schläger aus der Hand und schrie in Richtung US-Fans: „Let’s go!“ Es war der Moment, der alles drehte.
Lehecka ließ danach die Schultern sinken. Er hatte im dritten Satz zwei weitere Spielbälle, diesmal bei 6:5 im Tiebreak. Shelton antwortete mit einem 222-km/h-Ace und einem Returnwinner, der Lehecka wie einen Vorhang aus dem Weg zog.

Fritz wartet und schläft halb
Währenddessen saß Taylor Fritz bereits in der Kabine, hatte seine zwei Sätze gegen Alexander Bublik längst abgehakt. 6:4, 6:4 – keine Show, nur Routine. Der Titelverteidiger schlief sogar ein wenig auf der Physio-Liege, bevor sein Handy vibrierte: „Shelton gewinnt.“
Jetzt steht Fritz vor der Revanche. Dallas, Februar: Dort hatte Shelton ihn im Finale mit 6:3, 3:6, 5:7 aus dem Turnier geworfen. Ein halbes Jahr später, dieselbe Konstellation, nur drei Zeitzonen weiter östlich.

Us-duell im mutterland des grünfelds
Das Finale am Sonntag um 14 Uhr wird zum kleinen US-Open-Endspiel mitten in Württemberg. Erstmals seit 2017 treffen die beiden Top-Gesetzten eines ATP-250-Turniers im Finale aufeinander. Zwei Mal hat Shelton gegen Fritz gewonnen, einmal verloren. Die Quote spricht für den Jüngeren, der Erfahrung für den Älteren.
Wer gewinnt, schickt eine Botschaft in Richtung Wimbledon. Beide wollen auf Rasen angreifen, beide haben die Power, beide träumen von einem Major-Titel. Am Weissenhof geht es um Punkte, Geld und Selbstbewusstsein – aber vor allem um Stolz.
Shelton sagte nach dem Match: „Taylor kennt mich, ich kenne ihn. Wir trainieren zusammen. Aber wenn der Ball fliegt, ist Schluss mit Freundschaft.“ Fritz lächelte nur, als er das hörte: „Dann lass ihn fliegen.“
