Seidenberg: tiefpunkt, doping-schock und comeback – seine geschichte
Yannic Seidenberg, einst gefeierter Eishockey-Star und Silbermedaillengewinner bei Olympia 2018, blickt in einem erschütternden Gespräch im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ auf eine der dunkelsten Phasen seines Lebens zurück. Ein unerwarteter Dopingverstoß, der aus einer vermeintlich harmlosen Behandlung resultierte, stürzte den 42-Jährigen in eine existentielle Krise und beendete vorzeitig seine Karriere.
Der preis des erfolgs: depression und die suche nach halt
Der Weg zum Erfolg war für Seidenberg steinig, aber er führte zu triumphalen Momenten. Drei Meistertitel mit dem EHC Red Bull München, die Marke von 1000 Einsätzen in der DEL und die sensationelle Silbermedaille in Pyeongchang – alles kulminierte in einer Karriere, die viele beneideten. Doch hinter der Fassade des Erfolgs verbarg sich ein immenser Druck und die ständige Angst vor dem Scheitern. Im Jahr 2021 brach Seidenberg unter dieser Last zusammen und rutschte in eine tiefe Depression. „Das war das sportlich schlechteste Jahr meiner Karriere“, gesteht er nun.
Verzweifelt suchte er nach einem Ausweg, traf aber eine fatale Entscheidung: Er wandte sich an einen externen Mediziner, der ihm eine Creme mit Testosteron verschrieb, ohne ihn über die möglichen Konsequenzen aufzuklären. „Ich hatte einen positiven Dopingtest“, erinnert sich Seidenberg mit Bestürzung. Die Konsequenzen waren verheerend: Eine lange Sperre, die sein Leben auf den Kopf stellte und seine ohnehin angeschlagene Psyche zusätzlich belastete.
Seine Familie litt ungemein unter seiner Situation. Seidenberg brach vor seinen Kindern in Tränen aus, ein Bild, das ihn bis heute verfolgt. „Ich habe mich geschämt“, gibt er zu. „Es war, als hätte ich gestern jemanden umgebracht, so wie die bei mir reingekommen sind.“

Ein falscher freund, eine zerstörte karriere
Die Öffentlichkeit wurde schnell über den Fall informiert, was die Situation noch verschärfte. Seidenberg wurde suspendiert, sein Verein vor die Tür gesetzt. Seine Zukunft schien plötzlich sinnlos. „Ich habe mich gefühlt, als hätte ich alles verloren.“
Nach seiner aktiven Karriere kämpfte Seidenberg mit Zukunftsängsten und Selbstzweifeln. Die Gedanken an ein sinnloses Leben kamen ihm auf. Doch dann fand er langsam wieder Halt, stieg bei den Kassel Huskies in der DEL2 ein und feierte ein überraschendes Comeback.
Seidenberg ist sich bewusst, dass er einen Fehler gemacht hat. „Ich weiß, dass ich es nicht bewusst gemacht habe. Habe ich einen Fehler gemacht? Ja“, stellt er klar. Aber er fragt sich, ob er deshalb die Schuld an seiner zweieinhalbjährigen Sperre tragen muss. Er blickt nach vorne und ermutigt andere, offen über ihre psychischen Probleme zu sprechen. „Es ist wichtig, Schwäche zu zeigen – aber eben nicht mehrmals täglich von morgens bis abends.“
Sein Weg ist ein Mahnmal dafür, wie schnell eine Karriere durch falsche Entscheidungen und psychische Belastungen zerstört werden kann. Ein Weg zurück ins Licht, der Mut und die Bereitschaft zur Selbstreflexion erfordert. Denn Yannic Seidenberg hat bewiesen: Auch nach dem dunkelsten Winter kann ein neuer Frühling kommen.
