Segel-wm-heldin enthüllt: autismus prägte ihre karriere

Vanessa Almeida, eine der erfolgreichsten Seglerinnen Europas, hat ein überraschendes Geheimnis gelüftet: Über Jahre hinweg kämpfte sie im elitären Sport mit einer Autismus-Diagnose, von der sie nichts wusste. Eine Offenbarung, die ihre Sicht auf ihre Karriere und ihre Leistungskraft grundlegend verändert hat.

Die last der unerkannten diagnose

Die last der unerkannten diagnose

Almeida, mehrfache spanische und Weltmeisterin, und ehemalige Trainerin im paralympischen Segelsport, erfuhr erst mit über 40 Jahren von ihrer Autismus-Diagnose. „Es war eine Erleichterung. Es hat mir viel Schuldgefühle genommen“, gestand sie im neuen Videopodcast 'El Juego Por Dentro' von MARCA und Radio MARCA. Die Erkenntnis hat nicht nur ihr persönliches Leben, sondern auch ihr Verständnis für ihre sportlichen Leistungen revolutioniert.

Was Almeida besonders hervorhebt, ist der enge Zusammenhang zwischen mentaler Stärke und sportlicher Leistung. „Wenn der Kopf nicht mitspielt und man nicht weiß, wo man seine Aufmerksamkeit fokussiert, kommt man nicht weit. Man kann den besten Körper und die beste Technik haben, aber wenn der Kopf versagt, versagt alles.“ Diese Überzeugung hat sie im Laufe ihrer Karriere entwickelt und treibt sie nun in ihrem neuen Ziel an: die Besteigung eines Acht-Tausenders im Rahmen ihres Projekts '8000 sin barreras'.

Die Erfahrungen im Spitzensport waren für Almeida oft eine Zerreißprobe. „Es gab Tage, an denen ich nicht einmal 50 Prozent meiner Leistung bringen konnte. Ich sah, wie es die anderen schafften, und ich nicht, und das erzeugte viel Schuld.“ Doch gleichzeitig profitierte sie von ihrem Hyperfokus, der es ihr ermöglichte, tausende Stunden auf dem Wasser zu verbringen, ohne zu ermüden, und eine außergewöhnliche Sensibilität für den Wind zu entwickeln – ein Vorteil, den wenige ihrer Gegner hatten.

Heute findet Almeida ihren Rückzugsort in den Bergen. Ein Umfeld ohne Wertungen, ohne Schiedsrichter und ohne Zuschauer, wo ihre Leistung paradoxerweise auf ein neues Level steigt. Bei ihrem Versuch, den Manaslu zu besteigen, erreichte sie bereits 7.000 Meter, bevor ein Schneesturm sie zum Abbrechen zwang. Dabei verfolgte sie einen wissenschaftlichen Ansatz – von der Ernährung über die körperliche Vorbereitung bis hin zur mentalen Stärke. „Wenn die Berge dir etwas entgegensetzen, musst du in der Lage sein, darauf zu reagieren. Dafür braucht man Körper, Geist und die richtige Ernährung.“

Neben ihrer sportlichen Karriere engagiert sich Almeida seit Jahren für die Aufklärung über Autismus bei Erwachsenen. Sie schätzt, dass in Spanien allein eine halbe Million Menschen mit dem Spektrum leben, ohne es zu wissen. Ihre Botschaft ist klar: „Wenn etwas von dem, was ich sage, bei Ihnen Resonanz findet, lesen Sie über andere Autisten. Die Diagnose hat mein Leben verändert. Wenn Sie es haben, möchte ich, dass Sie es früher finden als ich.“

Der Videopodcast 'El Juego Por Dentro' bietet weitere Einblicke in die Gedankenwelt von Spitzensportlern und Experten. Abonnieren Sie kostenlos auf Spotify, Ivoox, Apple Podcast, Omny und MARCA.com, um keine Folge zu verpassen. Die nächste Ausgabe erscheint in zwei Wochen.

Almeida hat bewiesen, dass auch mit einer Autismus-Diagnose Höchstleistungen möglich sind – und dass die Erkenntnis der eigenen Stärken und Schwächen der Schlüssel zum Erfolg sein kann. Ihre Geschichte ist ein Appell an alle, die sich im Sport oder im Leben mit Herausforderungen konfrontiert sehen: Manchmal liegt die größte Stärke im Anderssein.