Schweizer stürmer erzielt die meisten tore – und das ist selten
Es ist ein kurioses Phänomen in der Swiss-Super-League: Wer trift, ist selten Schweizer. Seit der Ligareform 2003/04 krönten sich gerade einmal sechs Inländer zur Torjägerkanone – und jetzt bahnt sich das siebte Kapitel an.
Shaqiri war erst der anfang
Xherdan Shaqiri schnürte im Frühling 2025 mit 18 Treffern das erste Mal seit zwölf Jahren wieder eine rote Fahne an die Stange der Nati-Torschützen. Die Sensation: Er blieb nicht isoliert. Christian Fassnacht jagt mit 15 Toren im Windschatten des Genfers, und die Saison ist noch lang.
Die Zahle lügen nicht. Von 21 vollendeten Spielzeiten stand in 15 ein Ausländer ganz oben. Seydou Doumbia, Jean-Pierre Nsame, Guillaume Hoarau – das sind die Namen, die sich eingraben. Schweizer? Kamen in Schüben.

Warum gerade jetzt?
Die Antwort steckt im System. Klubs wie YB, Basel oder St. Gallen setzen auf internationale Scouting-Netzwerke. Billige Arbeitserlaubnis, große Erfahrung – ein Torhüter aus Kamerun oder ein Stürmer aus Frankreich wirkt auf dem Papier risikoloser als ein 19-jähriger Eigengewächs. Dazu kommt die Taktik: Hochbeschäftigung, viel Ballbesitz, aber weniger Raum für klassische Mittelstürmer. Wer trifft, muss variabel sein – und genau das beherrschen viele Schweizer Nachwuchskräfte nicht von Geburt an.
Doch der Pendelschlag zeigt sich. Fussballschweiz investiert massiv in Campus-Modelle, und Shaqiri ist das Aushängeschild: kein Import, sondern Heimkehrer mit Showcharakter. Fassnacht folgt dem Beispiel, trainierte in Bern, blieb in der Region, schliff seine Läufe im Berner Oberland. Wenn er die 20-Tore-Marke knackt, wäre er der erste „echte“ Verteidiger der Statistik – und das in einer Ära, in der Flügelspieler eigentlich die Klassiker sind.

Die sechs schweizer, die es schafften
Stéphane Chapuisat startete 2004 den Zug mit 24 Treffern für YB. Hakan Yakin toppte ihn vier Jahre später mit derselben Zahl, allerdings aus dem Mittelfeld. Alex Frei schraubte die Latte 2011 auf 27 Tore hoch – Rekord für Einheimische. Danach folgte Albian Ajeti mit 17 Toren, bevor Shaqiri 2025 nachlegte. Die Liste ist kurz, fast schon elitär.

Was die neue saison bringt
Schweizer Juniors messen sich in der U-21 mit europäischem Spitzenpersonal, und das Budget der Klubs wächst durch TV- und Sponsoringgelder. Experten sprechen von einem „natürlichen Korrekturprozess“. Wenn Fassnacht oder ein Überraschungsmann wie Fabian Rieder die 20-Tore-Hürde nehmen, wäre das mehr als ein Symbol: Es wäre der Beweis, dass Eigenproduktion funktioniert – und dass der Mythos vom ausländischen Torjäger endlich Risse bekommt.
Die Torjägerkanone bleibt ein Prestigeobjekt. Doch wer sie als Schweizer in die Höhe stemmt, schreibt nicht nur Sportgeschichte, er sticht auch die Transfergurus aus, die immer noch glauben, Tore gäbe es nur am Fließband im Ausland. Die nächsten Wochen zeigen, ob Fassnacht liefert – oder doch wieder ein Import den Schlusspunkt setzt. Die Liga brennt, und die Fahne ist rot-weiß.
