Schweizer ski-damen in der krise: fehlende jahrgänge und verfehlte strategien

Olympische enttäuschung für die schweizer ski-damen

Bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo erlebten die Schweizer Speed-Fahrerinnen eine bittere Niederlage. Nach einer schwachen Abfahrt konnte auch im Super-G keine Verbesserung erzielt werden. Cheftrainer Beat Tschuor und Swiss-Ski-Alpin-Direktor Walter Reusser analysieren eine tiefe Krise, die strukturelle Ursachen hat – von einer verlorenen Generation bis hin zu Fehlern in der Athletenförderung. Die Enttäuschung im Schweizer Lager war deutlich spürbar, während die Konkurrenz, allen voran Olympiasiegerin Federica Brignone, jubelte.

Corinne suter kämpft unter schmerzen

Corinne suter kämpft unter schmerzen

Corinne Suter, die unter Schmerzmitteln antrat, brachte die Situation auf den Punkt: „Es ist gerade sehr schwierig.“ Ihre Teilnahme war nur dank medizinischer Unterstützung möglich, wie sie gegenüber 20 Minuten bestätigte. Doch die Gründe für die aktuelle Formkrise liegen laut den Verantwortlichen nicht nur im medizinischen Bereich. Die Verletzungen der Teamkolleginnen werfen ebenfalls Fragen auf.

Die lücke der verlorenen jahrgänge

Die lücke der verlorenen jahrgänge

Walter Reusser zeichnet ein deutliches Bild der personellen Situation: „Wir haben in den Jahrgängen 1995 bis 2003 praktisch keine Athletinnen. Das sind fast zehn Jahre.“ Diese Lücke führt dazu, dass es an Nachwuchs fehlt, um Verletzungen oder Formschwächen auszugleichen. Ein wesentlicher Grund hierfür sei eine falsche Strategie in der Vergangenheit gewesen. „Vielleicht hat man sie zu stark gepusht“, gestand Reusser. Zu früh wurden junge Fahrerinnen in den Weltcup befördert, was ihre körperliche Belastbarkeit überforderte.

Fehlende erfahrung und überlastete talente

Bereits vor drei Jahren äußerte sich Reusser kritisch gegenüber der NZZ, dass kaum eine Fahrerin aus den Jahrgängen 1996 bis 1999 ohne schwere Verletzung durchgekommen sei. „Das rächt sich jetzt“, so Reusser. Die schnelle Beförderung in den Weltcup ohne ausreichende Vorbereitung führte zu einer hohen Verletzungsrate und einem Mangel an erfahrenen Athletinnen.

Tschuor fordert geduld und eine neue mentalität

Beat Tschuor mahnt zur Geduld und fordert eine neue Mentalität. „Wenn wir jedes Mal schwarzmalen, gewinnen wir gar nichts. Geduld ist gefragt“, betonte er. Derzeit befinde man sich sportlich auf dem Niveau, das der Leistung entspricht. Er wünscht sich Athletinnen mit der Mentalität einer Federica Brignone: „Diese Mentalität wünsche ich mir. Man darf nicht geknickt herumlaufen, sondern muss aufstehen, die Krone aufsetzen und weitergehen.“

Aufbau statt rettungsversuche

Trotz der aktuellen Misere blickt Reusser optimistisch in die Zukunft. Ziel sei ein kontinuierlicher Aufbauplan, um die nächste Generation nicht zu überfordern. Die jungen Fahrerinnen sollen das Gefühl haben, dass sie nicht die Schweiz retten müssen, sondern sich Schritt für Schritt entwickeln dürfen. „Da kommt hinten sehr viel nach“, zeigte sich Reusser überzeugt. Bis diese Talente jedoch die Lücke schließen, wird die Schweiz im Speed-Bereich der Damen vorerst eine untergeordnete Rolle spielen.

Zukunftsperspektiven für den schweizer ski-alpin

Der Fokus liegt nun auf der langfristigen Entwicklung des Nachwuchses. Eine sorgfältige Auswahl und Förderung junger Talente, kombiniert mit einer realistischen Herangehensweise, sollen in Zukunft zu besseren Ergebnissen führen. Die Herausforderung besteht darin, eine Balance zwischen der Förderung individueller Stärken und der Vermeidung von Überlastung zu finden. Die Verantwortlichen von Swiss-Ski arbeiten an einem Plan, der diese Aspekte berücksichtigt und die Basis für zukünftige Erfolge legt.