Swiss-ski schickt acht fixstarter ins weltcup-rennen – diese talente kündigen den angriff an
Die Schweizer Alpin-Mafia rollt den roten Teppich aus – nicht für Altstars, sondern für frisch gebackene Europacup-Könige. Acht Fixstartplätze sichert sich Swiss-Ski für die Saison 2026/27, ein Plus von eins gegenüber dem laufenden Winter. Die Botschaft: Wer unten durchstartet, darf oben direkt mitmischen, ohne die Nationen-Startquote zu blockieren.
Lenz hächler feiert das 1000-punkte-kunststück
Der Name fällt sofort auf, weil er exakt auf 1000 Zähler kam. Lenz Hächler rasierte das Europacup-Feld, holte sich in Saalbach den Gesamtsieg und damit das Ticket für alle Speed- und Tech-Disziplinen. Bisher war der 22-Jährige zwölfmal im Weltcup gestartet – ausschließlich im Riesenslalom. In Beaver Creek sprang Rang 19 heraus, im März 2024 durfte er als frisch gebackener Junioren-Weltmeister sogar beim Finale in Slalom ran. Nun steht ihm das volle Programm offen, doch die Trainer müssen aufpassen: Belastungssteuerung ist angesagt, sonst erledigt der Körper den Traum selbst.
Die Speed-Abteilung erhält gleich drei weitere Direktplätze. Sandro Manser war in vier Europacup-Abfahrten auf dem Podest, in Santa Caterina und Saalbach sogar ganz oben. Der 20-Jährige trägt noch keinen einzigen Weltcup-Start auf der Visitenkarte, holte dafür aber zweimal Silber bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Super-G. Die Devise lautet: keine Hast, viel Zeit. Das Beispiel Livio Hiltbrand lehrt, dass zwei Fixstart-Jahre noch keinen Durchbruch garantieren.
Gaël Zulauf kennt die Weltcup-Luft bereits. Der 25-jährige Berner wurde in Bormio 48., arbeitete sich in Crans-Montana auf Rang 36 vor. Für ihn zählt jeder Platz, denn das Alter erlaubt kein weiteres Warten. Letzte Saison verpasste er das Podest in der Abfahrtswertung um einen einzigen Punkt – diesmal klappte es.

Knorpel-alarm und comeback-pläne
Im Riesenslalom lautet das Stichwort Verletzung. Sandro Zurbrügg riss sich Anfang März das vordere Kreuzband, dazu Meniskus- und Kapselschaden. Fünf Podestplätze und zwei Siege hatte er zuvor eingesammelt, die Disziplinenwertung war sicher. Ob er im Lauf des Winters zurückkehrt, entscheidet der Heilungsverlauf. 23 Weltcup-Starts stehen bereits zu Buche, Rang 17 beim Debüt in Val d’Isère bleibt die Bestmarke.
Fadri Janutin profitierte von Zurbrüggs Ausfall und räumte trotzdem selbst ab. Der Bündner gewann in Turnau und Norefjell, sicherte sich den Gesamtsieg im Europacup-Riesenslalom. Im Weltcup kam er 2023/24 nur einmal in den zweiten Lauf, blieb in Kranjska Gora als 24. hängen. Nun erhält er eine weitere Chance, muss aber parallel seine FIS-Punkte auf anderen Strecken nach unten trimmen, um Startnummern unter 30 zu ergattern.

Frauen-power mit express-tempo
Die Damen liefern den besseren Angriff. Stefanie Grob krönte sich zur Abfahrts-Königin des Europacups, fuhr in Val di Fassa als Zehnte erstmals ins Weltcup-Top-Ten. 28 Starts ohne Punkt – dann kam der Durchbruch mit drei Scores in drei verschiedenen Disziplinen binnen vier Wochen. Die 22-Jährige trägt acht Junioren-WM-Medaillen im Gepäck, davon drei Gold. Ihr Fixplatz gilt nur für die Abfahrt, doch als 32. der Super-G-Wertung darf sie hoffen, bald auch dort direkt zu starten.
Dania Allenbach ist mit 19 Jahren das jüngste Mitglied im Club. Die Turbach-Bissen-Athletin gewann die Riesenslalom-Wertung, fuhr in Oberjoch einen Sieg ein und wurde prompt für drei Weltcup-Rennen nominiert. 27., 22. und 24. – konstant, ohne Ausrutscher. Das Team-Parallel-Bronze von den Junioren-WM zeigt, dass sie auch im Kopf mithält.
Slalom-Spezialistin Janine Mächler komplettiert das Quartett. Die 21-Jährige siegte in Hasliberg und wurde Dritte der Disziplinenwertung. Nach 15 Weltcup-Starts und zwei Punkteläufen darf sie nun planen statt betteln.
Die Rechnung ist einfach: acht Fixplätze bedeuten acht Startnummern, die nicht über die Nationen-Quote verteilt werden müssen. Für Swiss-Ski ist das ein Polster, für die Athleten ein Sprungbrett. Und für die Konkurrenz ein Warnschuss – die Schweiz liefert nicht nur, sie liefert frisch.
