Biologischer takt: neues verfahren enthüllt individuelle rhythmen

Berlin – Die Uhr tickt anders für jeden von uns. Eine bahnbrechende Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat ein Verfahren entwickelt, das den individuellen biologischen Takt präzise misst: die Analyse von Haarwurzeln. Das Ergebnis könnte die Medizin revolutionieren und Behandlungen besser an den persönlichen Rhythmus anpassen.

Warum unser innerer takt zählt

Warum unser innerer takt zählt

Es geht längst nicht mehr nur um Schlaf und Wachheit. Unser zirkadianer Rhythmus beeinflusst Stoffwechsel, Immunsystem und sogar die Wirksamkeit von Therapien. Achim Kramer, Leiter der Chronobiologie-Abteilung der Charité, erklärt: „Studien zeigen, dass der Zeitpunkt der Verabreichung bestimmter Krebsimmuntherapien einen erheblichen Einfluss auf deren Erfolg haben kann.“ Denn auch unser Immunsystem folgt einem etwa 24-stündigen Zyklus, der von Person zu Person variiert.

Die neue Methode umgeht die bisherigen, aufwändigen Verfahren zur Messung der Melatonin-Ausschüttung. Stattdessen analysiert sie mithilfe künstlicher Intelligenz die Aktivität von 17 Genen in Haarwurzelzellen. Ein einzelner Haaransatz genügt, um den chronotyp zu bestimmen – mit einer Genauigkeit, die der Melatonin-Methode nahezu ebenbürtig ist. Die Studie, die an über 4.000 Teilnehmern durchgeführt wurde, bestätigte bereits bekannte Zusammenhänge: Menschen um die 25 Jahre fühlen sich durchschnittlich eine Stunde später müde als über 50-Jährige. Auch Geschlecht spielt eine Rolle: Bei Frauen beginnt die biologische Nacht 6 Minuten früher als bei Männern.

Ein faszinierendes Detail: Auch die Arbeitsweise beeinflusst unseren inneren Takt. Beschäftigte aktivieren ihren biologischen Rhythmus durchschnittlich 30 Minuten früher als Menschen ohne Berufstätigkeit. Diese Erkenntnisse unterstreichen, wie eng unser Leben mit unseren inneren Rhythmen verbunden ist und wie wichtig es ist, diese zu verstehen und zu respektieren.

Die Entwicklung der Charité markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer personalisierten Medizin, die nicht nur Krankheiten behandelt, sondern auch den individuellen Rhythmus des Körpers berücksichtigt. Die Zukunft der Medizin könnte also tatsächlich in unseren Haaren liegen – ein überraschendes, aber vielversprechendes Ergebnis.