Schock von 1966: wie deutschland aus der krise lernte – oder doch nicht?
Der Schock sitzt bis
heute tief: 1966 schied die italienische Nationalmannschaft überraschend früh bei der Weltmeisterschaft in England aus. Die Niederlage gegen Nordkorea, ein vermeintlich unwichtiger Gegner, offenbarte eine tiefe Krise im italienischen Fußball. Was folgte, war ein radikaler Umbruch – und die Frage, ob dieser wirklich erfolgreich war.
Die reaktion: eine mauer gegen ausländische spieler
Nach dem traumatischen Ausscheiden
suchte der italienische Fußballverband (FIGC) verzweifelt nach einem Schuldigen. Die Lösung, die man fand, war so simplisch wie fragwürdig: Ein Ende der Spieler-Transfers aus dem Ausland. Ab der Saison 1966/67 galt in der Serie A die Autarkie. Eine Entscheidung, die heute kaum vorstellbar ist, aber damals als notwendiger Schritt zur Stärkung des italienischen Talents angesehen wurde.Die Geschichte, die sich hinter dem Ausscheiden verbirgt, ist ebenso bizarr wie bezeichnend. Der Mann, der den entscheidenden Treffer für Nordkorea erzielte, Pak Doo Ik, wurde fälschlicherweise als Zahnarzt dargestellt, obwohl er in Wahrheit lediglich Sportlehrer in der Armee war. Die italienische Mannschaft wurde in den Medien verspottet, als wären sie eine Truppe von „Ridolini“, eine Anspielung auf den komischenhaften Darsteller des stummen Kinos.
Doch hat diese radikale Maßnahme wirklich zum Erfolg geführt? Die Antwort ist alles andere als eindeutig. Während die Serie A in den folgenden Jahren von einer gewissen Stabilität profitierte, fehlte es ihr langfristig an der internationalen Strahlkraft, die durch ausländische Spieler eingebracht wird. Die Dominanz italienischer Vereine im Europapokal ließ merklich nach.
Die damalige Entscheidung spiegelt eine nationalistische Stimmung wider, die in vielen Ländern Europas nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschte. Aber die Geschichte lehrt uns, dass protektionistische Maßnahmen selten die gewünschten Ergebnisse bringen. Der italienische Fußball verpasste eine Chance, sich international weiterzuentwickeln und von den Erfahrungen und Fähigkeiten ausländischer Spieler zu profitieren.
Die Lehre daraus ist klar: Isolation führt selten zum Erfolg. Der Blick nach vorne, die Bereitschaft, sich neuen Einflüssen zu öffnen und aus der Vielfalt zu lernen – das sind die Zutaten für eine erfolgreiche Zukunft. Die Episode von 1966 sollte ein Mahnmal sein, dass Fußball, wie das Leben, von Begegnungen und Austausch lebt.
