Schneematsch riss land rover ins verderben: ein toter bei varzo

Francesco Roncoroni hatte keine Chance. Der 27-jährige Comer saß auf dem hinteren Sitz des Land Rover, als das Fahrzeug am Samstagnachmittag auf der SP 153 bei Varzo durch den Schneeglatten von der Fahrbinnenseite rutschte, den Guardrail durchbrach und sich mehrfach überschlug. Rettungskräfte fanden ihn tot zwischen den verbeulten Blechen; fünf weitere Insassen – allesamt zwischen 25 und 30 – liegen mit teils schweren Verletzungen im Krankenhaus von Verbania.

Die fahrt endete 150 meter unterhalb der passhöhe

Sie hatten sich nach einem Skitag in San Domenico gesammelt, wollten ins Tal zurück nach Domodossola. Der Chauffeur, ein Freund aus dem Kollegenkreis, fuhr vorsichtig, sagt ein Überlebender später. Doch die 153 ist eine Kehren-Kletterpartie, dort wo der Töff sich in den Wald schlängelt. Schneefahne auf schattiger Seite – ein klassischer Falle. Die Spurensicherung stellte fest: Kein Bremsstrich, nur Gleitspuren. Die Land Rover-Disco mit sieben Personen war schwer, aber das Gewicht half nichts, als die Hinterachse ins Rutschen kam.

Feuerwehrleute aus Crevoladossola brauchten zwei Stunden, um die Karosserie aufzuschneiden. „Die Säulen waren wie Papier“, berichtet Einsatzleiter Marco Ruffini. Die Retter zählten erst fünf, dann sechs, schließlich sieben Personen – weil sich zwei Opfer im Kofferraum verfangen hatten. Die Frage, ob das Auto überhaupt für sieben Plätze zugelassen war, beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft. Land Rover gibt für die Disco 5 maximal fünf Sitzplätze an.

Ein dorf, das sonst nur lawinen fürchtet

Ein dorf, das sonst nur lawinen fürchtet

Varzo kennt Unfälle, doch meist geht es um Steinschlag oder verschüttete Pistenarbeiter. Ein Fahrzeug, das sich selbst zur Todesfalle wird, hat hier Seltenheitswert. Bürgermeister Luca Gilardi ordnete sofort eine Räumung alliger Nebenstraßen an, doch die Witterung spielt verrückt: minus zwei Grad, Nieselregen gefriert zur Eisglätte. Die SP 153 bleibt bis auf weiteres gesperrt – ein Tropfen auf den heißen Stein für den Tourismus, der die Talbahnhofstation Domodossola eigentlich aus dem Winterschlaf holen sollte.

Für die Eltern von Francesco Roncoroni endet ein Albtraum, den ihnen niemand erklären kann. Sie erhalten sein Handy in einem Plastikbeutel zurück – Display zersplittert, letzte Nachricht: „Sind bald unten.“ Die fünf Verletzten werden laut Klinik für heute außer Lebensgefahr erklärt; der Fahrer aber steht unter Schock und juristischer Beobachtung. Die Blutprobe ist angeordnet, auch wenn erste Tests keinen Alkohol erkennen ließen. Die Frage bleibt: Hätte ein Satz Winterreifen mit Spikes das Drama verhindert? Die Antwort liegt im Schnee von Varzo, zusammen mit den Trümmern eines ganzen Freundeskreises.