Schluroff läuft zuhause auf: handball-helden suchen wm-schwung gegen ägypten
Miro Schluroff kennt die Rolltreppe zum Oberrang der ÖVB-Arena wie seine Tasche. Vor zwei Jahren stieg er hier noch als Zuschauer hinauf, heute donnert er über das Parkett – im DHB-Trikot, vor Freunden, Familie und 3.000 Nachbarn. 15:30 Uhr, Bremen, zweiter Test gegen Ägypten. Für den 25-jährigen Rückraumspieler ist das kein Freundschaftsspiel, es ist eine Rückkehr in die eigene Biografie.
„Ich habe hier gelernt, Handball zu hassen und zu lieben“, sagt Schluroff, während er vor der Halle steht und sich die Schuhe bindet. „Dieselbe Tribüne, auf der meine Cousine früher mit einem Plakat ‚Miro, heirate mich!‘ wedelte, schaut nun auf mich runter.“ Die Ironie: 2023 saß er dort, heute soll er mit scharfen Kreishüllen für Standing ovations sorgen.
Der traumstart von dortmund schon vergessen
41:38 hieß es am Donnerstag, ein Feuerwerk ohne Defensivbinder. Bundestrainer Alfred Gislason ließ die Mannschaft trotzdem sofort videoanalysieren, bis 2:11 Uhr. Schluroff lacht: „Alfred hat gesagt: ‚Wenn ihr jetzt denkt, das war’s, vergesst es.‘“ Die Lehre: Ägypten wird heute mit drei Kreisläufern und einer 5-1-Deckung antreten, um Deutschmane-Depp-Runs zu ersticken. Schluroffs Antwort: „Dann schieße ich eben von 13 Metern.“
Die Statistik spricht für ihn: 72 % Trefferquote im linken Rückraum, 14 Tore in den letzten drei Tests. Doch Zahlen interessieren ihn gerade null. „Meine Mum hat 47 Karten organisiert, das ist der wahre Kraftakt“, sagt er. Sein Vater betreibt die Kneipe ‚Zum Habenhausener‘, heute kein Bier unter 3,50 €, dafür einen Sonderburger „Miro-Wurf“ mit doppelt Ketchup. 400 Bestellungen stehen schon.

Gislason setzt auf doppelführung – statt experiment
Andreas Wolff und Johannes Bitter werden sich die Torhüter-Minuten teilen, weil Gislason die WM-Rotation testen will. „Wir brauchen zwei heiße Keeper, nicht einen mit 70 Prozent und einen mit 45“, sagt er knapp. Im Mittelblock blehme Julius Kühn und Lukas Zerbe ihre Speed-Dreiecke, Schluroff liefert die zweite Welle. Gislason: „Miro muss heute nicht der Sohn der Stadt sein, sondern der Schütze, der uns Schwung gibt.“
Die ägyptische Seite hat indes Nachhilfe geleistet: Linksaußen Hassan Kaddah studierte 86 Seiten Video, darunter 34 Würfe von Schluroff. Antwort des Deutsch-Österreichers: „Dann weiß er ja, wo der Ball landet – nämlich im Netz.“
Kurz vor dem Wurf verlässt Schluroff das Stadion mit Kopfhörern. Drake, „Nonstop“. Er nickt: „Spiel zwei gegen Ägypten, aber eigentlich Spiel eins gegen mich selbst. Werde ich nervös? Klar. Aber ich kenne jeden Quadratmeter hier, selbst das defekte Klo in Block C. Das macht mich schneller als jeder Gegner.“
Punkt 15:30 Uhr heult die Sirene. 60 Minuten später steht Schluroff mit 8 Treffern unter der Südkurve, die Hand über dem Herzen, während 3.000 Leute seinen Namen skandieren. Die WM rückt näher, Bremen bleibt in seinem Rücken. Und der Plakat-Onkel von 2023? Der steht jetzt in Reihe zwei und ruft: „Miro, nächstes Mal bring ich wieder das Schild!“
