Schlotterbecks blackout in der schweiz – warum nagelsmann trotzdem auf ihn setzt

Zwei Passpatinen, zwei Gegentore, ein Sieg: Nico Schlotterbeck lieferte in Basel eine Momentaufnahme ab, wie sie spektakulärer nicht sein könnte. Doch statt auf der Bank landet der Dortmunder am Montag wieder in der Startelf – und das ist kein Gefälligkeitsentscheid.

Warum der bundestrainer bleibt

Julian Nagelsmann redete nach dem 4:3 in der Schweiz so schnell wie Schlotterbeck nach seiner zweiten Fehlpass-Gala. „Er kriegt jetzt keinen Riesenrüffel“, sagte er, noch be die Frage überhaupt kam. Der 26-Jährige habe sich nach der Pause „gefangen“, habe „hart verteidigt“ – und das zähle mehr als die zwei Ausrutscher, die die Nati zweimal jubeln ließen. Denn Nagelsmann sieht in Schlotterbeck nicht nur einen Linksverteidiger, sondern den „besten Spielaufbauer unter den deutschen Innenverteidigern“. Mit seinem starken linken Fuß spaltet er Gegner pressingreihen, eröffnet Räume, die sonst zugeklebt bleiben. Kurz: Er löst Probleme, bevor sie entstehen – und akzeptiert, dass dabei eben auch einmal ein Pass im Aus landet.

Die Rechnung geht auf. Pascal Groß, selbst ein Spielverteiler mit Excel-Gehirn, schwärmt: „Nico überspielt fünf, sechs Gegner mit einem Ball. Das ist seine DNA, die wollen wir nicht kappen.“ Florian Wirtz, der mit seinem Treffer zum 3:2 die Wende einleitete, pflichtet bei: „Jeder macht Fehler. Seine Qualität im Aufbau hat Europa-Niveau.“

Rüdiger bleibt vorerst draußen – und das ist kein diss

Rüdiger bleibt vorerst draußen – und das ist kein diss

Antonio Rüdiger saß 90 Minuten auf der Bank, seine Oberschenkel-Verletzung ist abgeheilt, aber seine WM-Position noch nicht zurückerobern. Nagelsmann begründete den Verzicht mit „rhythmischen Gründen“, doch dahinter steckt mehr: Er will das Tah-Schlotterbeck-Duo bis Katar auf Temperatur bringen. Rüdiger wird noch kommen, garantiert. Nur nicht als Platzhirsch, sondern als Option – und das ist neu in der DFB-Welt.

Schlotterbeck selbst schwieg nach dem Spiel, stattdessen sprachen seine Mitspieler. Jonathan Tah legte den Arm um die Schulter des Kollegen: „In Testspielen darf man risikieren. Lieber jetzt ausrutschen als im Achtelfinale.“ Die Botschaft ist klar: Der Fehler ist erlaubt, die Reaktion zählt. Und die war stark.

Der vertrag ist offen, der kopf schon klar

Der vertrag ist offen, der kopf schon klar

Nach dem Länderspiel-Marathon steht für Schlotterbeck nicht nur die Rückrunde an, sondern auch eine Entscheidung über seine Zukunft. Bei Borussia Dortmund tickt die Uhr, der Vertrag läuft 2027 aus, doch die Verlängerung ist noch nicht unter Dach und Fach. Die BVB-Bosse sind „vorsichtig optimistisch“, dass er bleibt. Nagelsmann winkt ab: „Ich wünsche mir, dass alle Spieler ihre Situation vor der WM geklärt haben. Dann können sie sich voll auf den Sport konzentrieren.“

Am Montag gegen Ghana in Stuttgart bekommt Schlotterbeck die nächste Bühne – und diesmal will er liefern, ohne dabei die Risikobereitschaft zu verlieren, die ihn ausmacht. Denn wer so spielt wie er, muss manchmal scheitern, um zu brillieren. Die Alternative wäre ein Zurück-auf-Anfang, und das wäre für Nagelsmann keine Option. „Wir wollen mutige Fußballer, keine Fehlervermeider“, sagt er. Schlotterbeck bleibt – mit allem, was dazugehört.