Schlaf-apps: segen oder fluch für die nachtruhe?

Fast jeder zweite Deutsche schläft schlecht – und viele suchen mithilfe von Smartphone-Apps nach der perfekten Schlafroutine. Doch eine aktuelle Studie aus Norwegen wirft einen düsteren Schatten auf den vermeintlichen Nutzen dieser digitalen Helfer. Für Menschen, die ohnehin unter Schlafstörungen leiden, können die Apps sogar kontraproduktiv sein und die Angst vor dem Schlaf noch verstärken.

Die daten-obsession: wenn der schlaf zur last wird

Die Technologie verspricht Erleichterung: Apps, die Schlafphasen messen, Aufwachzeiten protokollieren und die Qualität des Schlafs bewerten, sind aus dem App-Store kaum noch wegzudenken. Für die meisten Nutzer sind sie ein positiver Wegweiser, denn 48 Prozent gaben an, etwas über ihren eigenen Schlaf gelernt zu haben und 15 Prozent schliefen sogar besser. Doch die Forscher der Universität Bergen zeigen: Bei Menschen mit Schlafstörungen kippt das Verhältnis. Der Blick auf die eigenen Schlafdaten wird zur Obsession, zur Bestätigung der eigenen Hilflosigkeit. Das Ergebnis: eine Art „Orthosomnia“ – die zwanghafte Beschäftigung mit dem perfekten Schlaf, die den Schlaf letztlich noch weiter beeinträchtigt.

Håkon Lundekvam Berge, Erstautor der Studie, erklärt: „Jüngere Erwachsene sind besonders anfällig für den Einfluss dieser Apps. Sie berichten zwar von mehr positiven Effekten, aber auch von größerem Stress und Sorgen.“ Besonders betroffen sind Menschen, die bereits unter chronischer Schlaflosigkeit leiden – für sie können die Daten einen Teufelskreis aus Angst und Unruhe auslösen.

Die Variabilität der Apps ist ein weiteres Problem. Die Messmethoden und Algorithmen unterscheiden sich stark, und die Wissenschaftler betonen, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Apps zu bewerten – insbesondere im Hinblick auf verschiedene Altersgruppen.

Der körper kennt den weg: weniger technik, mehr vertrauen

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Was also tun? Die Experten raten, sich zunächst genau zu informieren, welche Daten die jeweilige App tatsächlich erfasst und wie zuverlässig diese sind. Nicht jede Metrik ist gleichwertig. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte die Benachrichtigungen besser deaktivieren und sich nicht von den Daten stressen lassen. Stattdessen gilt es, dem eigenen Körper zu vertrauen.

„Die Schlafzimmer sollte man mit Schlaf assoziieren“, so die Empfehlung. „Wenn man sich nicht müde fühlt, sollte man nicht ins Bett gehen und dort auf den Schlaf warten, denn das kann die Insomnie sogar verschlimmern.“ Besser ist es, auf die innere Stimme zu hören und erst dann die Augen zu schließen, wenn die Müdigkeit spürbar wird. Denn der Weg zum erholsamen Schlaf führt nicht über die digitale Überwachung, sondern über die Achtsamkeit und das Vertrauen in den eigenen Körper.

Die Ergebnisse der Studie sind ein Weckruf: Die digitale Schlafhilfe kann für manche Menschen eine Bereicherung sein, für andere aber auch eine Quelle neuer Ängste. Es ist an jedem Einzelnen, abzuwägen, ob der Blick auf die eigenen Schlafdaten wirklich erholsamer ist oder ob er den Schlaf eher stört. Die Forschung zeigt deutlich: Manchmal ist weniger Technik mehr Schlaf.