Schiedsrichter sind keine prügelknaben mehr: cta-chef fordert sonderstrafrecht
Fran Soto rechnet mit dem spanischen Fußball ab. „Ich bin nicht bereit, das weiter hinzunehmen“, donnert der Präsident des Technischen Schiedsrichter-Ausschusses (CTA) und stellt den Amateurfußball auf den Prüfstand. Wochenend für Wochenende fliegen Fäuste, Worte und Spucke – und das Statistik-Excel wird zur Chronik der Schande.
Polen macht’s vor, spanien soll nachziehen
Dort wurde Schiedsrichtern bereits 2023 der Status „Träger öffentlicher Gewalt“ verpascht. Was klingt wie Bürokraten-Deutsch bedeutet: Handgreifliche Spieler oder Zuschauer landen nicht vor dem Sportgericht, sondern direkt vor dem Strafrichter – mit erhöhten Mindeststrafen. Soto will den Paragraphen 1:1 importieren: „Wer einen Schiedsrichter angreift, greift den Staat an“, fordert er auf dem SAVE-Football-Kongress in Madrid.
Die Zahlen sind eine Ohrfeige. Allein in dieser Saison verzeichnete der CTA 43 physische Übergriffe – Stand vor der Länderspielpause. Der jüngste Vorfall: 10. März, dritte asturische Liga. Ein Elfmeter-Pfiff, ein Spieler, ein Schlag ins Gesicht. Video 34 Sekunden, 1,2 Millionen Klicks, null Konsequenzen bis heute.

Der verband zieht den notstopp, aber das spielfeld bleibt ein pulverfass
Ab Montag testet der CTA das „Tiempo de Revisión“: montags sollen kontroverse Szenen offiziell erklärt werden – so wie in der Bundesliga, nur vier Tage später. Die Hoffnung: Transparenz beruhigt. Die Realität: Die Wut wächst schneller als die Erklärungen.
Soto hat keine Lust mehr auf Alibi-Papiere. „Wir schreiben Protokolle, während andere mit dem Faustschloss ausholen“Macht uns endlich zu Ordnungshütern statt zu Prügelknaben.
Die Uhr tickt. Am 21. April beginnt die Play-off-Rückrunde in der Tercera. Dann stehen wieder 1.400 Schiedsrichter auf 420 Plätzen – ohne Polizeischutz, ohne Bodycams, ohne Paragraf 563. Wer ihnen hilft, entscheidet sich nicht im Kapitelraum, sondern im Parlament. Denn wenn das Gesetz nicht mitspielt, spielt der Schiri bald gar nicht mehr.
