Scheibs riesenslalom-erfolg: die odermatt-methode als schlüssel?

Julia Scheib hat in der vergangenen Saison für Furore im Riesenslalom gesorgt. Doch ihr Erfolg ist kein Wunder, sondern das Ergebnis einer akribischen Analyse und der Übernahme von Techniken, die bisher vor allem einem zugeschrieben wurden: Marco Odermatt.

Die inspiration vom weltspitzen-dominator

Die 25-jährige Steirerin blickt offen über den Tellerrand und orientiert sich technisch an den Besten der Welt. Und aktuell ist das vor allem der Schweizer Marco Odermatt, der den Riesenslalom in den letzten Jahren nachhaltig geprägt hat. Scheib hat erkannt, dass man von den Besten lernen kann – auch wenn die physischen Voraussetzungen zwischen Männern und Frauen im Skisport unbestreitbar unterschiedlich sind.

“Eins zu eins kann man es natürlich nicht übernehmen, da die Männer ganz andere körperliche Voraussetzungen haben“, erklärt Scheib im „Sport & Talk im Hangar-7“. „Aber Skifahren ist extrem technisch – und da gibt es immer wieder Dinge, die man sich abschauen kann.“ Dabei geht es nicht um eine blinde Nachahmung, sondern um die Adaption von Prinzipien. Besonders Odermatts Fahrweise über den Innenski, seine Geschwindigkeit und seine Position im Schwung sind für Scheib von Interesse.

Schiendorfer als Gemeinsamer Faktor: Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Zusammenarbeit von Scheib und Odermatt mit dem renommierten Manager Michael Schiendorfer. Diese professionelle Unterstützung ermöglicht es Scheib, sich voll und ganz auf ihr Training und ihre Leistung zu konzentrieren. “In diesem Business ist es wichtig, Dinge zu kombinieren und es dem Athleten einfach zu machen“, so Scheib. Es ist ein Umfeld, das Leistung fördert.

Weniger ist mehr: die mentale wende

Weniger ist mehr: die mentale wende

Doch nicht nur die technische Anpassung spielt eine Rolle. Scheib hat auch eine wichtige mentale Lektion gelernt: Manchmal ist weniger mehr. Früher war sie oft mit hohem Risiko unterwegs, in der Annahme, dass man an der Weltspitze nur mit allem gewinnen kann. “Ich hatte schon immer das Gefühl, es braucht mehr, um an der Weltspitze mitzufahren“, gesteht sie. Heute weiß sie, dass man oft mit 80 Prozent der Leistung ein Rennen gewinnt – und dass Übermut zum Verlust führen kann. Diese Erkenntnis hat ihr geholfen, ihre Rennen besser zu kontrollieren und ihre Leistung zu stabilisieren.

Die Verbindung zu Marco Odermatt, die technische Analyse seiner Fahrweise und die professionelle Unterstützung durch Michael Schiendorfer – all diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Julia Scheib zu einer der gefürchtetsten Riesenslalom-Läuferinnen der Welt geworden ist. Die nächste Saison verspricht Spannung, denn Scheib ist bereit, ihr Können unter Beweis zu stellen und die Konkurrenz herauszufordern. Denn eins ist klar: Die Steirerin hat sich zum Ziel gesetzt, ganz oben zu stehen.