Scheib jagt in åre die riesenslalom-kugel – ösv nominiert acht speerspitzen

Julia Scheib kann in zwei Tagen Geschichte schreiben. Die 26-jährige Steirerin reist mit einem Polster von 89 Punkten nach Schweden, wo auf der „Gästrappet“-Piste am Samstag und Sonntag die letzten technischen Saisonkräfte gemessen werden. Ein einziger solider Lauf reicht, um sich die kleine Kristallkugel zu sichern – ein Ritual, das Österreich zuletzt 2019 mit Stephanie Brunner feierte.

Assinger setzt auf erfahrung und temperament

Roland Assinger hat seine Kaderliste verkürzt, nicht verdünnt. Neben Scheib starten Nina Astner, Stephanie Brunner und Franziska Gritsch im Riesenslalom. Der Slalom am Sonntag wird zum Damokles-Schwert für die Konkurrentinnen: Katharina Gallhuber, Katharina Huber, Leonie Raich, Katharina Truppe und die beiden Astner-Schwestern bilden ein Aufgebot, das an Breite nicht zu überbieten ist. „Wir wollen nicht nur die Kugel holen, wir wollen sie mit Stil nach Hause tragen“, sagte Assinger nach der Nominierung.

Die Rechnung ist denkbar einfach: Scheib muss im Riesenslalom nur zwei Ränge vor der Schweizer Verfolgerin Camille Rast bleiben. Das klingt nach Formsache, doch Åre gilt als Hort der Überraschungen. 2018 riss dort die Sturmfront „Burgl“ über die Piste, 2021 schmolz die Kunstschneedecke binnen Stunden. Die Wetterkarte verspricht diesmal Stabilität, aber wer die Fjorde kennt, weiß: Die Gewissheit kommt erst im Ziel.

Letzte chance für die weltcup-tür

Letzte chance für die weltcup-tür

Hinter den Protagonisten buhlen Athletinnen um jeden Zähler, der sie in die Top-25 der Gesamtwertung schiebt. Für Lisa Hörhager ist Åre die letzte Rutschpartie, um sich die Startberechtigung für das Finale in Saalbach zu sichern. 38 Punkte fehlen der Salzburgerin – ein Seitenhieb, der wehtut, wenn man bedenkt, dass sie vor Jahresfrist noch im Slalom-Top-Ten kreiste.

Die Uhr tickt auch für die Organisatoren. Mit dem Abschluss der Technikrennen rückt der Speed-Block nach St. Moritz und Cortina ins Visier. Wer in Åre versagt, muss im Frühjahr mit dem Risiko leben, dass die Sponsoren die Koffer bereits gepackt haben. Die Parole im ÖSV-Lager lautet deshalb: „Volle Breitseite statt Halbgas.“

Am Samstag um 09.30 Uhr fällt der Startschuss. Ein Kugelgewinn würde Scheib 60.000 Euro Preisgeld einbringen – und ein Stück Ewigkeit. Denn wenn sie in Åre die Arme in den schwedischen Himmel streckt, ist sie die erste Österreicherin seit elf Jahren, die eine kleine Kugel außerhalb des alpinen Trios Shiffrin-Vlhová-Goggia ergattert. Die Piste ist präpariert, die Spannung steigt. Und die Skiwelt schaut nach Åre – wo sich am Ende vielleicht nicht nur eine Saison, sondern ein neues Zeitalter ankündigt.