Schalke rettet tabellenführung: muslics joker bleibt glücklos – und das ist okay
Ein Kopfball, der knapp am Pfosten vorbeizischt, ein Schrei, der im Böllenfalltor verpufft – und dann Stille. Christian Gomis hatte den Sieg auf dem Fuß, doch der Moment blieb ihm verwehrt. Keiner im schwarz-weißen Lager schmollt. Denn das 1:1 in Darmstadt reicht, um die Königblauen als Herbstmeister in die Länderspielpause zu schicken.
Miron muslic nimmt den punkt mit und die welt ist in ordnung
„Wir haben sie heute weggehalten“, sagt Timo Becker und meint die Verfolger. Tatsächlich: Hätte Schalke verloren, wäre die S04-Maschine auf Platz vier abgestürzt. Stattdessen thront der Klub weiter oben, dank eines Treffers, der nach 38 Minuten wie ein Geschenk des Fußballgottes aussah. Moussa Sylla, monatelang nur Statist, riss die Arme hoch – und traf ausgerechnet gegen den Aufsteiger, der daheim noch keinen Blatt vor den Mund nimmt.
„Das ist ein Stürmer-Tor“, schwärmt Muslic. „Er bewegt sich noch mal, alle denken, der Ball ist weg – und er wuppt ihn rein.“ Dass Darmstadt sechs Minuten später durch Isac Lidberg antwortete, nahm der Coach mit einem Schulterzucken hin. „50:50-Spiel“, sagt er. „Wir treffen die stärkste Heimmannschaft der Liga und fahren mit Rang eins nach Hause. Wer will da meckern?“

Loris karius sieht die wahrheit: nachspielzeit ist ein konstruktionsfehler
Der Schalker Keeper schüttelt den Kopf, als er an den Gegentreffer denkt. „Wieder in der Nachspielzeit“, murrt er. „Wir müssen lernen, den Schiedsrichter pünktlich pfeifen zu lassen.“ Doch selbst Karius verbiegt sich kein Lächeln. Die Bilanz der englischen Woche: vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen, kein Gegentor aus dem Spiel heraus – nur zwei Mal kurz vor Schluss.
Christian Gomis? Der sitzt nach dem Abpfiff noch lange auf der Bank, starrt auf das leere Feld. Muslic legt ihm die Hand auf die Schulter. „Er wird uns noch entscheidende Tore schießen“, sagt der Trainer. „Vielleicht war dieser Moment heute einfach zu groß für ihn.“ Die nächste Chance kommt bestimmt: Nach der Länderspielpause warten Pauli im Pokal und dann Kiel, HSV, Paderborn im Dreierpack.
Die Meisterschaft ist keine Sprintstrecke mehr, sie ist ein Marathon, bei dem Schalke bislang das Tempo vorgibt. 25 Punkte aus 13 Spielen, das ist kein Zufall, sondern die Summe aus Muslics Druckphilosophie und einem Kader, der endlich wieder Breite statt nur große Namen bietet. Die Fans singen auf dem Auswärtsrang: „Wir sind wieder wer!“ Und sie haben recht – zumindest bis Mai. Dann wird entschieden, ob ein Punkt in Darmstadt der erste Baustein zum Wiederaufstieg war oder nur ein hübscher Zwischenschritt.
