Sawe stürzt marathon-weltrekord infrage? expertenmeinung überrascht

London erbebte am Sonntag, als Sebastian Sawe mit 1:59:30 Stunden die Marathonwelt auf den Kopf stellte. Ein Lauf, der nicht nur die Zwei-Stunden-Marke sprengte, sondern auch Fragen aufwirft. Doping-Experte Fritz Sörgel analysiert die Leistung und gibt eine überraschend verhaltene Einschätzung ab.

Die skeptische stimme im chor der begeisterung

Die skeptische stimme im chor der begeisterung

Während die Sportwelt jubelt und Sawe als den ersten Mann unter zwei Stunden feiert, mahnt Sörgel zur Vorsicht. "Wenn ich diese Zeit sehe, bin ich sprachlos. Aber im jetzigen Stadium sehe ich keine Anzeichen für ein Foulspiel, da ich mir diese Leistung erklären kann," erklärte der Pharmakologe gegenüber dem SID. Seine Analyse stützt sich auf die Fortschritte in Trainingsmethoden, Technologie und Ernährung, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden haben.

Sawe selbst erklärte seinen Erfolg mit einem hochintensiven Trainingsplan, dem Einsatz des revolutionären Adidas Pro Evo 3 "Superschuhs“ – einem Modell, das mit einem Gewicht von unter 100 Gramm kaum spürbar sein soll – und der gezielten Zufuhr von Kohlenhydraten durch spezielle Gels. Die Erwähnung von Honigbroten zum Frühstück stieß bei Sörgel auf Belustigung, lenkte aber nicht von der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Entwicklung ab. "Die Trainingsmethoden sind ausgefeilt, die Technik hat sich massiv verbessert, und auch die Ernährung spielt eine große Rolle."

Die Genetik als entscheidender Faktor Sörgel betont zudem die physiologischen Unterschiede in den Herkunftsländern herausragender Langstreckenläufer. "Die Anatomie und Physiologie, insbesondere des Sehnen- und Muskelapparates, sind anders. Bolt ist das beste Beispiel. Bis heute wurde bei ihm nichts gefunden – auch nicht in Nachproben.“ Er verweist auf die historische Leistung von Abebe Bikila, der 1960 barfuß den Marathon bei den Olympischen Spielen gewann und über 65 Jahre später um eine Viertelstunde unterboten wurde – eine Entwicklung, die er für realistisch hält.

Doch der Experte warnt: "Wir haben viele Sportler bewundert und an sie geglaubt – und wurden dann enttäuscht. Epo ist sicherlich eine Substanz, mit der solche Rekorde erreicht werden können. Die Dopingkontrollen in Ostafrika sind – ich sage es vorsichtig – nicht auf dem Niveau, das wir in westlichen Ländern kennen. Andererseits sind die Kontrollen in Berlin oder London sehr streng. Sawe wurde bisher nicht positiv getestet, das ist ein Fakt.“

Die Diskussion um Sawe’s Leistung wird weitergehen, während die Sportwelt weiterhin seine Erfolge verfolgt. Eine Sache ist jedoch klar: Sebastian Sawe hat die Grenzen der menschlichen Ausdauer neu definiert – und damit auch die Debatte über die Reinheit des Sports neu entfacht. Der Druck auf die Dopingkontrollen wird nun enorm sein, um sicherzustellen, dass dieser historische Moment nicht durch einen Schatten getrübt wird.