Sauters nationalteam-debüt-jet rollt: hsv-youngster jagt stuttgart-dribbelkönig häfner
Die Sporthalle Hamburg brodelt. 3.000 Tickets weg, Moritz Sauter frisch in Alfred Gislasons DHB-Kader gepustet – und jetzt soll er Europas Siebenmeter-König Kai Häfner stoppen. Keine Probe, sondern Prüfung unter Volllast.
Sauter statt köster: gislason zieht den hebel um
Der Bundestrainer musste nicht lange überlegen. Julian Kösters Kreuzband-Exit, Nils Lichtleins widerspenstiges Sprunggelenk – die Lücke im Rückraum-Mittel war plötzlich so groß wie die Elbe. „Ich schneide Sauters Szenen seit Wochen zusammen“, sagt Gislason, „er kann links, er kann Mitte, er denkt schneller als viele Altstars.“ Für den 23-Jährigen bedeutet das: 60 Minuten Dauerfeuer gegen einen Linkshänder, der in dieser Saison bereits 125 Siebenmeter versenkt hat – mehr als jeder andere.
Die Zahlen, die den Sprung erlaubten, sind keine Kindergärten-Statistik: 137 Tore, 58 Assists, dazu eine Verteidigungs-Quote, die selbst Jansen intern als „Lärm“ betitelt. Sauter selbst schickt vor dem Spieltag einen einzigen Satz in die WhatsApp-Gruppe der 2023er Weltmeister-Generation: „Jungs, ich bin drin. Jetzt wird geliefert, nicht getanzt.“

El-tayar gegen seinen klub der zukunft
Während Sauter sich warm schwitzt, steht Mohamed El-Tayar zwischen den Pfosten – und zwischen den Fronten. Der ägyptische Schlussmann wechselt im Sommer zu genau den Schwaben, gegen die er heute noch halten soll. „Kein Freundschaftsspiel“, sagt Torsten Jansen trocken. Beim 36:33 im Hinspiel traf Häfner elfmal, Neuzugang Nicolaj Jørgensen ebenso. Beide werden heute erneut die Bälle einpacken, die sie kriegen. Die Frage ist nur: wie viele kriegen sie überhaupt?
Der HSV liegt zwei Punkte vor Stuttgart – Tabellenplatz 8 gegen 10. Ein Sieg würde die Hanseaten auf Relegations-Kurs schieben, eine Niederlage könnte die Saison endgültig in die Play-off-Lotterie drosseln. Für Sauter ist es nicht nur das erste Heimspiel als Nationalspieler, sondern auch das letzte echte Heim-Momentum vor dem Endspurt. „Wenn du hier vor deinem Publikum nicht lieferst, wirst du es vor 12.000 in Berlin auch nicht“, sagt Co-Trainer Fahlgren.

Kai häfner plant kein geschenk
Der 36-jährige Europameister hat die Wild Boys seit November auf seinen Schultern getragen. 230 Tore, 59 mehr als Sauter, dazu eine Trefferquote aus dem Rückraum, die selbst Kiel-Coach Gislason schwärmen lässt: „Er altert wie ein Barolo – wird besser, je länger er steht.“ Doch genau diese Erfahrung macht ihn berechenbar. Sauter hat in dieser Saison bereits sieben Gegenstöße initiiert, nachdem er den Ball im Mittelblock erobert hat. Ein direktes Duell Mittelblock gegen Rückraum-Mitte, das wird heute die Achse sein, auf der das Spiel kippt.
Die Sporthalle ist ausverkauft, die Kameras von Dyn und WELT TV live dabei. Um 15 Uhr ertönt die Anpfiff-Sirene. Dann zeigt sich, ob der Junge mit der Nummer 19 an diesem fünftletzten Spieltag nicht nur Stuttgart stoppt, sondern auch seinen Platz in Gislasons EM-Plan festnagelt. Die 3.000 Zuschauer werden ihn tragen – und Kai Häfner wird ihn jagen. Wer zuerst müde wird, verliert.
