Sassuolo vor juve im ausnahmezustand: kein spielabbruch, aber elf kaderlücken

Der US Sassuolo reist morgen mit nur 14 Feldspielern nach Turin – und das ist noch die gute Nachricht. Hinter den Kulissen tobt ein Keuchhusten-Ausbruch, der die komplette Kaderplanung zerreißt.

Ein bestätigter Pertussis-Fall plus fünf weitere Spieler mit typischem Husten-Krampf: Das meldete der Klub gestern Nachmittag, 48 Stunden vor dem Pflichtspiel bei der Juventus (Samstag, 20.45 Uhr). Die Infizierten sitzen in Isolation, die Übrigen nehmen Antibiotika als Notprophylaxe. Die Liga wurde informiert, ein Verlegungsantrag liegt nicht vor – Partie findet statt.

„Wir umschiffen minen, aber wir fahren“

Trainer Fabio Grosso sprach in der Pressekonferenz von „einer Woche, in der jede Trainingseinheit ein Neustart war“. Dreimal musste er die Startelf neu skizzieren, weiters Testergebnisse eintreffen. Seine Devise: „Keine Ausreden, nur Lösungen.“ Juve-Coach Spalletti wartet indessen mit einer nahezu kompletten Riege auf – die Turiner haben seit drei Spielen nicht verloren und wollen die Lücke zur Spitze (vier Punkte) schließen.

Die medizinische Herausforderung ist enorm. Pertussis ist hoch ansteckend, vor allem in Umkleidekabinen mit engem Kontakt. Sassuolos Ärzte fahren PCR-Tests alle 24 Stunden, Luftfilter laufen auf Höchststufe. Die Region Emilia-Romagna schaltete sich ein und genehmigte Sonderregeln: Wer zwei negative Tests binnen 36 Stunden vorlegt, darf mitreisen. Das trifft bisher auf genau elf Profis zu.

Die Marketing-Abteilung des Klubs musste bereits 250 Karten stornieren, die an Kinder- und Jugendmannschaften vergeben waren. Kein Risikogruppe will neben Keuchhusten-Trägern auf der Tribüne sitzen.

Chancen-bilanz trotz notkader

Chancen-bilanz trotz notkader

Taktisch wird Grosso wohl auf eine Fünferkette zurückgreifen – mit zwei Spitzen vorne, um Konter zu erzwingen. Juves Statistik spricht eine klare Sprache: Die Alte Dame gewann die letzten fünf Heimspiele gegen Sassuolo, Tordifferenz 14:3. Doch die Zahlen sind vom gestern. Die Frage ist, wie viele Kilometer die Nero-Verdi noch in den Beinen haben, nachdem sie die Woche teils mit sieben Feldspielern trainierten.

Die Wettanbieter reagierten sofort: Sassuolos Sieg-Quote stieg von 7,50 auf 11,0. Die Nachfrage nach Live-Wetten explodiert – viele Spieler setzen darauf, dass die Gäste unter 0,5 Tore erzielen.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns diese Info: Innenverteidiger Ruan Tressoldi meldete leichte Symptome, sein Einsatz hängt von einem Nachtest ab. Fällt er aus, bleiben nur drei fitte Abwehrleute übrig.

Sollte Sassuolo trotzdem punkten, wäre das mehr als ein Fußball-Wunder – es wäre Beweis für eine Mannschaft, die sich nicht von Viren, sondern nur von der Pausenpfiffe stoppen lässt.