Sarri zieht die notbremse: romagnoli-duell mit milan steht auf messers schneide
Maurizio Sarri wirkt wie ein Mann, der jede Sekunde zählt. Um 20.45 Uhr am Sonntag rollt der Ball im Olimpico, doch die Lazio-Defensive könnte ohne ihren Felsen auflaufen. Alessio Romagnoli, Ex-Milan-Kapitän und emotionales Bollwerk, ist noch immer ein Fragezeichen – und das genau gegen seinen alten Klub.
Romagnoli-entscheidung fällt am samstagmorgen
„Wir kratzen an der Grenze des Machbaren“, sagt Sarri in der Pressekonferenz. Die medizinische Abteilung hat dem Innenverteidiger bis Sonntag 9 Uhr Zeit gegeben, um das Sprinttraining ohne Schmerz zu absolvieren. Wer ihn kennt, weiß: Romagnoli würde auch auf einem Bein spielen. Doch die Risiko-Liste ist lang. Eine erneute Zerrung würde die Champions-League-Qualifikation gefährden – und Sarri hasst nichts mehr als unplanbare Ausfälle.
Die Alternative ist ein Experiment. Patric oder Wesley Hoedt rücken neben Nicolò Casale, während Sarri hinten auf dreierkette umschaltet. Der Coach testete bereits im Training, wie der eigentliche Rechtsverteidiger Patric als Libero agiert. Die Spieler nennen es intern „Operation Schachbrett“. Der Plan: Milan mit einem zusätzlichen Sechser überspielen, statt sie in offene Räume zu schicken.

Zaccagni will sich für horror-saison revanchieren
Ein anderer Schwerpunkt: Mattia Zaccagni. Knie-OP, Muskelriss, Sprunggelenk – die Saison klingt wie ein medizinisches Dossier. Doch Sarri lobt ihn in höchsten Tönen: „Er hat jede Reha-Einheit mit dem Ball gemacht, als wäre es ein Pokalfinale.“ In den letzten drei Partien kam der Flügelspieler auf zwei Torbeteiligungen. Gegen Milan könnte er von Anfang an durchstarten – und gleichzeitig seine WM-Traumkarte schreiben.
Die Tribüne wird übrigens ein Gesicht fehlen. Ivan Provedel, Stammkeeper und Elfmeter-Schreck, laboriert an einer Handprellung. Sarri muss sich zwischen Christos Mandas und Luigi Sepe entscheiden. Die Entscheidung fiel zugunsten des 21-jährigen Griechen. „Er hat in der Youth League gezeigt, dass er mit 40 Metern Spielverlagerung traktiert wie ein Regisseur“, sagt Sarri. Kleiner Seitenhieb auf Sepe, der zuletzt in Parma nur kurze Pässe spielte.

Maldini junior bleibt mittelstürmer – und das ist gut so
„Daniel spielt nicht links außen, weil er dort nicht verteidigt“, stellt Sarri klar. Daniel Maldini erbt das Zentrum, soll mit Laufbereitschaft Milans Build-up stören. Sein Vater Paolo saß bei der Pressekonferenz im zweiten Reihenpaar und nickte zustimmend. Familienstolz pur.
Die Zahlen sprechen für Lazio: Seit 2022 gewann Milan kein einziges Mal in Rom. Doch die Formkurve der Gäste zeigt nach oben – Christian Pulisic und Rafael Leão sind in Torlaune. Sarri scherzt: „Wenn Leão dribbelt, sieht das aus wie ein Tanz, aber wir haben zwei Jungs, die ihn gern mal ins Schwitzen bringen.“ Gemeint sind Manuel Lazzari und Adam Marušić, die beide über 34 km/h Sprintschritt bringen.
Kick-off rückt näher. Die Curva Nord probte bereits den Chor: „Non mollare mai!“ Sarri wird um 20.46 Uhr wissen, ob sein Poker aufgeht – oder ob Romagnoli doch nur ein Zuschauer bleibt. Die Stadt atmet. Das Spiel beginnt, bevor der erste Pfiff ertönt.
