Sarah höfflin schockt silvaplana: 35-jährige stoppt schweizer medaillenflut nach sechs jahren durststrecke

Sechs Jahre lang wartete Sarah Höfflin auf diesen Moment. Als ihre Ski zum Stillstand kamen, brach im Engadin ein Tsunami los – aus Jubel, Tränen und einem Nationalhymnen-Geklingel, das sich durch die steilen Täler schraubte.

Die 35-jährige Bündnerin preschte im Slopestyle-Finale von Silvaplana mit einer Run-Kombi, die selbst die sonst so laute Konkurrenz verstummen ließ: Switch-270-On, Frontside 630 Out, direkt gefolgt von einem Cab-900 Japan und einem Backside-Double-Cork-1080 Stalefish. Die Judges strichen 89,80 Punkte – genug, um Giulia Tanno (83,20) und die übermächtige Kelly Sildaru (86,40) auf die Plätze zu verweisen.

Heimpiste als zeitmaschine

Für Höfflin war dies keine gewöhnliche Premiere. Es war eine Zeitreise zurück ins Jahr 2017, als sie zuletzt einen Weltcup gewann – und direkt danach Kreuz- und Knieband riss. „Ich habe jeden einzelnen Tag meiner Rehab mit Videobändern aus Silvaplana überbrückt“, sagt sie. „Jetzt bin ich nicht mehr die Jüngste, aber ich bin die Hungrigste.“

Das Publikum raste aus dem Häuschen, als Tanno mit Bronze das Schweizer Doppel komplettierte. Die 25-Jährige hatte sich erst im Winter aus einer erneuten Schulter-OP gekämpft und in Tignes bereits Big-Air-Bronze geholt. „Wir sind ein verletzungsgeplagtes Team, aber eben auch ein Siegerteam“, lachte Tanno, während ihre Teamkolleginnen sie in eine Schneewolke zogen.

Ohne Olympiasiegerin Mathilde Gremaud, die wegen einer Sprunghaltsung pausiert, bewies die Schweiz erstmals seit fünf Jahren wieder Doppel-Power auf dem Podest. Die letzte Saison war geprägt von Abstinenz, jetzt folgt das vereiste Comeback – und es riecht nach mehr.

Saisonende, neuanfang

Saisonende, neuanfang

Silvaplana lieferte pures Finale-Kino: Sonne, −3 °C, eine perfekt präparierte 320-Meter-Run-Line und ein Public-Viewing, das sich sehen lassen konnte. Rund 4.500 Fans zogen mit Kuhglocken und Fahnen durch die Corvatsch-Gondel. Die Athleten antworteten mit 72 Runs, 14 Doppelseilern und einem einzigen Ausfall – ein Statistikwert, der selbst FIS-Rennleiter Martin Furrer staunen ließ: „So sauber habe ich ein Finale selten erlebt.“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Höfflin sammelt 100 Weltcup-Punkte und klettert von Rang 18 auf 7 im Gesamtklassement. Tanno belegt mit zwei Podestplätzen diese Saison Platz 4 – ihre beste Bilanz seit der Rückkehr. Und die Schweiz? Die Schweiz steht in der Nationenwertung erstmals wieder auf dem Treppchen, hinter Kanada und den USA.

Die beiden Bündnerinnen werden nun drei Wochen lang in Laax trainieren, bevor der Sommer auf der Südhalbkugel beginnt. Höfflin will nach Neuseeland, Tanno nach Australien. „Der Winter mag vorbei sein, der Fight beginnt erst“, sagt Höfflin und zwinkert. Dann verschwindet sie in der Menge – 35 Jahre alt, sechs Jahre Durststrecke, ein Sieg, der alles zurücksetzt.