Santi comesaña: „champions-fehler quält mich – rache kommt 2025“
- Warum die liga mehr zählt als jedes pokal-debakel
- Atlético als endgegner – die titelkampf-geometrie
- Geheimnis ceramica: warum zu hause nur spanien brennt
- Champions-trauma: „wir wurden klein, statt groß aufzutreten“
- Fitness-check: „mein körper ist ein handy auf 97 %“
- Marcelinos zukunft: „wir würden ihn zu fuß nach vila-real zurücktragen“
- Der countdown läuft: neun punkte bis zur unsterblichkeit
Santi Comesaña ballt die Faust, als hätte er den Salzgeschmack von Manchester noch auf den Lippen. Der Mittelfeld-Dauergärtner von Villarreal spricht offen über die Schmach der Vorrunden-Champions-League-Pleite – und warum diese Saison trotzdem schon jetzt historisch ist.
Warum die liga mehr zählt als jedes pokal-debakel
„Wir haben nur gegen Getafe verloren – Platz fünf bis zwanzig“, sagt er und schlägt mit der flachen Hand auf die Tischplatte im Ciudad Deportiva. Die Statistik klingt simpel, ist aber ein Monstrum: Von 24 Spielen gegen das untere Tableau holte Villarreal 67 Punkte. Das ist Spitzenwert in Europa, noch vor Bayer Leverkusen. Comesaña lacht schulterzuckend: „Wenn du jeden Samstag gegen verzweifelte Teams spielst, ist das wie Seilspringen in einem Minenfeld. Ein Fehltritt und du fliegst.“
Der 27-jährige Galicier kennt das Gefühl, am Abgrund zu kratzen. Mit Rayo stieg er 2016 ab – deshalb warnt er vor den nächsten neun Punkten bei Alavés, Getafe und Betis. „Abstiegskampf ist schlimmer als Champions-League-Druck. Die Spiele sind dreckiger, die Stadien lauter, die Schiedsrichter schneller mit Gelb. Wer da denkt, er sei oben angekommen, kassiert prompt die Quittung.“

Atlético als endgegner – die titelkampf-geometrie
Dritter mit 57 Zählern, zwei Punkte vor Atlético, ein Spiel mehr. Comesaña rechnet laut vor: „Sie bekommen Barça, wir Girona. Dann treffen wir uns in der Ceramica. Wer da nicht zittert, ist kein Profi.“ Das Saisonfinale gegen die Rojiblancos könnte die direkte Champions-League-Gruppenphase entscheiden – und damit 50 Millionen Euro. „Geld interessiert mich nicht, aber die Chance, im Achtelfinale Liverpool oder Arsenal zu schlagen, das würde die letzte Saison vergessen machen.“
Der Fanblock der Submarino Amarillo singt bereits ein provisorisches Lied: „Santi, Santi, er trägt uns zur drei.“ Die Melodie ist schief, der Text kitschig – und genau deshalb steht Comesaña nachts auf dem Balken seines Apartments und grinst in die Dunkelheit. „Wenn du hier lebst, spürst du, dass der Ort Champions-League-Fußball verdient hat. Punkt.“

Geheimnis ceramica: warum zu hause nur spanien brennt
13 Heimsiege, 4 Remis, 0 Niederlagen. Die Zahlen sind so absurd, dass selbst Marcelino sie vor der Presse runterrattert, als hätte er sie auswendig gelernt. Comesaña lüftet den Trick: „Wir lassen den Gegner erst einmal glauben, er hätte den Ball. Dann schlagen wir zu wie ein Krokodil – zwei, drei Schnellkombinationen, Tor.“ Die Taktik funktioniert, weil Gerard Moreno noch immer der beste Retter ist, wenn der Platz eng wird. „Geri sieht Lücken, bevor sie entstehen. Ohne ihn sind wir ein Auto ohne Lenkrad.“
Die Verletzungsmisere des Kapitäns nagt am Selbstvertrauen. „Wenn er fehlt, übernehme ich mehr Bälle, Pape zieht die Linien, Dani wird zum Box-to-Box-Monster. Wir ersetzen Qualität mit Lauferei – funktioniert, aber kostet Liter Schweiß.“
Champions-trauma: „wir wurden klein, statt groß aufzutreten“
Comesaña senkt die Stimme, als redete er im Beichtstuhl. „Gegen Marseille, gegen Mönchengladbach – wir sind rein, haben gedacht: passt schon. Dann kassieren wir in zwei Minuten zwei Gegentore und stehen wie Schuljungen da.“ Die Psyche brach zusammen, nicht die Taktik. Trainer Marcelino versuchte, mit Videoanalysen und Mannschaftsessen zu retten, doch die Gruppenphase war nach fünf Spielen gelaufen.
„Die Lehre: Erwarte dir nichts von Schiedsrichtern, Glück oder Gegnern. Spiel dein Spiel, egal, ob es der FC Bayern oder Union Berlin ist.“ Er schlägt sich mit der flachen Hand auf die Oberschenkel. „Nächstes Jahr knallen wir die Tür ein – mit uns oder gegen uns.“
Fitness-check: „mein körper ist ein handy auf 97 %“
Im Januar spürte er einen stechenden Schmerz im Oberschenkel. MRT, Panik, Erleichterung – alles in 24 Stunden. „Ich dachte, die Saison ist vorbei. Stattdessen bin ich seitdem 312 Kilometer gelaufen, mehr als jeder andere Villarreal-Spieler.“ Die Konkurrenz im Mittelfeld ist Mordssache: Pape Gueye, Capoue, Dani Parejo – alle Weltklasse. „Wenn du zwei Trainingseinheben schwach bist, sitzt du Samstag auf der Bank. Keine Diskussion.“
Sein Geheimnis: „Ich schlafe neun Stunden, trinke keinen Alkohol mehr und schaue vor jedem Spiel zwei Videos von Rayo-Abstiegsnacht. Das erinnert daran, wozu Fußball fähig ist – und dass ich nie wieder dort landen will.“
Marcelinos zukunft: „wir würden ihn zu fuß nach vila-real zurücktragen“
Der Coach schwieg bislang über Gerüchte zu Sevilla und Valencia. Comesaña zuckt mit den Achseln: „Er sagt nichts, wir fragen nicht. Aber wenn du siehst, wie er nach jedem Sieg mit dem Staff tanzt, weißt du, dass sein Herz hier schlägt.“ Die Kabine hat intern beschlossen, ihn nach dem letzten Heimspiel auf eine improvisierte Trage zu heben – symbolisch, aber mit 30 Mann starkem Applaus. „Soll er ruhig gehen, wenn er will. Aber wir schreiben sein Name aufs Trikot, für immer.“
Der countdown läuft: neun punkte bis zur unsterblichkeit
Am Sonntag fliegt die Charter-Maschine nach Vitoria. Comesaña packt seine Kopfhörer, dabei eine Playlist mit Galicier-Folklore. „Mein Vater schickt mir vor jedem Auswärtsspiel eine Sprachnachricht: ‚Mide tus passes, hijo, y recuerda de donde vienes.‘ Das reicht, um die Kalte zu vertreiben.“
Villarreal könnte zum ersten Mal seit 2008 direkt in die Champions-League-Gruppenphase einziehen – ohne Quali, ohne Los-Glück. „Wenn wir das schaffen, brennt Castellón. Und ich stehe irgendwo zwischen Rauch und Feuerwerk, mit Tränen, die niemand filmen darf.“
Er lächelt, steht auf, streckt die Hand aus. „Bis Samstag. Dann zeigen wir Spanien, warum die Liga mehr ist als Barça und Real. Wir sind das kleine Dorf, das große Träume hegt – und diesmal wollen wir sie wach werden lassen.“
