Sander packt an: was dem fcm-trainer nach dem spiel wirklich auf die nerven geht
Petrik Sander, der erfahrene Coach des 1. FC Magdeburg, hat im Vorfeld des wichtigen Auswärtsspiels gegen Paderborn (Sonntag, 13:30 Uhr) Klartext über eine lästige Pflicht im Fußballalltag gesprochen, die er am liebsten hinter sich lassen würde: die sofortigen TV-Interviews nach dem Spiel. Seine Worte offenbaren ein seltenes Eingeständnis, das in der sonst so emotionslosen Welt des Profifußballs für Aufsehen sorgt.

Der coach spricht offen über seine abneigungen
Auf einer Pressekonferenz wurde Sander direkt gefragt, ob ihm die obligatorischen Fernsehinterviews nach dem Spiel liegen würden. Seine Antwort kam prompt und überraschend ehrlich: „Dann scheine ich ja kein lustiger Zeitgenosse zu sein.“ Doch hinter dieser trockenen Bemerkung verbirgt sich eine tiefere Abneigung. „Ich habe es mir abgewöhnt, mit meinem Gesichtsausdruck nach außen zu vermitteln, wie es in mir aussieht“, erklärte der 65-Jährige. „Ist nicht mein Ding – ich mache das mit mir selbst aus.“
Es ist ein ungewöhnlicher Einblick in die Psyche eines Mannes, der seit über 20 Jahren als Cheftrainer im Profifußball agiert. Seit seiner ersten Station bei Energie Cottbus im Jahr 2004 hat Sander unzählige Interviews gegeben, aber offenbar hat er gelernt, einen gewissen Abstand zu gewinnen. „Im Alter wird man ein bisschen vertrauter mit der Geschichte“, so Sander, „sonst sprudeln Sachen aus einem heraus, die man eigentlich gar nicht erzählen wollte.“
Besonders die Interviews direkt nach Spielende stellen für Sander eine Herausforderung dar. Die emotionale Achterbahnfahrt nach einem Sieg oder einer Niederlage macht es ihm schwer, sich spontan und authentisch auszudrücken. „Diese Interviews unmittelbar nach dem Spiel, die mag ich eigentlich nicht“, gestand er. „Weil man dann noch sehr emotionsgeladen ist und es sehr vom Ergebnis abhängt, wie man auftritt.“ Aber das ist nicht alles: „Bestimmte Ergebnisse, bestimmte Leistungen sind förderlich, dass man mal den einen oder anderen Spaß macht und ein bisschen lächelt.“
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass Sander, trotz seiner Erfahrung, immer noch mit den Anforderungen des modernen Fußballs ringt. Während die Fans und die Medien auf eine unmittelbare Reaktion nach dem Spiel drängen, bevorzugt der Coach die Zeit zur Reflexion und internen Verarbeitung. Der Wechsel im Verein verstärkt diesen Umstand: Der frühere Sportchef Schork wurde überraschend entlassen, wobei der Finanzvorstand Geisthardt vorerst dessen Aufgaben übernimmt. Das erzeugt zusätzliche Unsicherheit, die Sander intern bewältigen muss.
Die Fans in Magdeburg hoffen nun auf einen Erfolg in Paderborn – und auf ein seltenes Lächeln von Petrik Sander vor der Kamera. Denn eins ist klar: Der Druck ist hoch, und der Trainer muss liefern – auch wenn das bedeutet, seine persönlichen Vorlieben zugunsten des Teams zurückzustellen.
