Sanches trifft, wird geköpft – lausanne plötzlich zu zehnt
Alvyn Sanches hatte den Ball im Netz und das Grinsen im Gesicht – 43 Minuten lang sah alles nach einem perfekten Heimspiel aus. Dann kam die 56. Minute, da flog nicht nur der Ball, sondern auch Karim Sows Sohle. Direkt ins Gesicht des frischen Torschützen.
Rot ist keine diskussion
Referee Cibelli zückte sofort Rot – keine Sekunde Zögern, keine Var-Debatte. Sow war weg, Lausanne mit einem Mann weniger. Die Statistik ist gnadenlos: In 78 % der letzten Super-League-Spiele, in denen Lausanne früher in Unterzahl lief, kassierte der Klub anschließend mindestens ein weiteres Tor. Die Trendwende blieb aus. Sanches, noch mit Eisbeutel an der Wange, verwandelte den Strafstoß zum 2:0 – sein Doppelpack, der klare Sieg, aber das Gesicht des Stürmers zeigte nur halbes Vergnügen.
Die Szene spaltet die Lager. Young-Boys-Coach Raphael Wicky sprach von „unbedingter Willensstärke“, während Lausannes Sportchef Henrik Jörgensen den „unvermeidlichen Seriensportler“ Sow „eine Denkpause“ androht. Interne Suspendierung? Noch offiziell: Nein. Inoffiziell: Schweizer Medien berichten von einer saftigen Geldstrafe und einer Verwarnung, die bereits das dritte Aufgalopp des Verteidigers in dieser Saison markiert.

Die tabelle lügt nicht
Mit dem 2:0 klettert Lausanne auf Platz 5, punktgleich mit GC Zürich, aber die Rote Karte kostet zwei Spieler: neben Sow auch Mittelfeldstratege Stjepan Vukovic, der nach der 87. Minute wegen Meckerns Gelb-Rot sah. Nächster Gegner: Basel im St.-Jakob-Park – dort haben die Waadtländer seit 2021 nicht gewonnen. Die Auswärtsbilanz: 0 Siege, 3 Remis, 4 Niederlagen, 4:12 Tore. Sanches wird spielen, vermutlich mit einem dicken Pflaster auf der Wange und einer Mission: endlich den Bann brechen.
Für den 24-jährigen Angreifer war es der fünfte Saisontreffer – Tendenz steigend. Sein Marktwert laut Transfermarkt: 1,8 Millionen Euro. Nach dem Spiel wollte er keine Schuldfrage stellen: „Ich habe getroffen, dann wurde ich getroffen – Fussball ist kein Kinderspiel.“ Eine Antwort, die Stil erkennen lässt. Denn wer aushält, wann es richtig weh tut, der trägt auch morgen wieder die Kapitänsbinde – zumindest in den Köpfen der Fans.
