San benito gießt blut und zahlen: sevilla steht mit 88 mio. euro schulden vor dem abriss

José María del Nido Carrasco betritt die Iglesia de San Benito wie ein Mann, der zur Beichte geht – nur dass er selbst die Sündenliste liest. Neun Trainer in dreieinhalb Jahren, zwei Topspieler verkauft, acht Neue für 250 000 Euro, eine Schuldenlawine von 88 Millionen. Der Präsident des Sevilla FC liefert im Sakralbau am Gründonnerstag keine Fußballpredigt, sondern eine Bilanz des Chaos.

Die totengräber der gloriole

Monchi, Víctor, Antonio – Namen, die einst für Taktik standen, stehen heute für Wechselbad. Del Nido zählt sie runter wie Rosenkranzperlen. „Ich übernehme die volle Verantwortung“, sagt er und klingt dabei, als würde er sich selbst die letzte Hostie verweigern. Der Vorstand habe versagt, der Markt habe zugeschlagen, die Mannschaft sei Tabellenkeller-Tango gewöhnt. Drei Punkte über dem Abstieg, neun Spiele Saison, ein neuer Trainer: Luis García Plaza, gerade noch Retter, jetzt Sündenbock-in-spe.

Die Kirchenbänke sind voll von Journalisten, die sich fragen, wann das Fußballwunder aus Andalusien endgültig zur Passion wird. Del Nido redet von 70 Millionen Euro, die für Dodi und Loic Badé flossen – Geld, das sich in Luft und Vertragsklauseln auflöste. Die Ablöse war so groß wie die Seitenaltar-Tür, durch die er jetzt verschwinden will.

Verkaufsgespräche im sakristei-flur

Verkaufsgespräche im sakristei-flur

„Ich besitze keine Aktien“, sagt er und deutet auf sein Bündel von 300 Stück – ein Souvenir, keine Macht. Gerüchte über Käufer kursieren seit Monaten, doch Del Nido behält das Ritual: Er weiß von nichts, er ist nur Zeuge. Ein Investor könnte morgen kommen, dann wäre Schluss mit Amtszeit, Ehre und vermutlich auch mit der Tradition, sich vor dem Altar zu erklären. Die Gläubigen – Fans – haben keine Stimme, nur Tränen und Twitter.

Die Beichte endet nicht mit „Ego te absolvo“, sondern mit der trockenen Feststellung: „Wir sind hier, weil wir schlechte Entscheidungen getroffen haben.“ Kein „aber“, kein „wenn“. Die Kerzen flackern, der Weihrauch vermischt sich mit dem Geruch von verschmähtem Rasen. Der Sevilla FC, einst König der Europa-League, rüstet sich für die nächste Kreuzigung – diesmal vor eigenem Tor.

Am Ende bleibt die Zahl 88. Kein Sakrament, kein Trost, nur ein Konto. Und ein Verein, der betet, dass die letzten neun Spiele nicht zur endgültigen Passion werden.