Saelemaekers bricht das schweigen: so steht es wirklich um seinen frieden mit calhanoglu

Fünf Jahre nach dem Wechsel, der Mailand in zwei feindliche Lager spaltete, spricht Alexis Saelemaekers erstmals offen über Hakan Calhanoglu. Sein Satz: Wir sind nicht mehr Freunde, aber auch keine Feinde. Ein Geständnis, das mitten in die heiße Derby-Woche platzt.

Der belgier lüftet das tabu

Am Montagabend, kaum dass die Kamera bei DAZN angelichtet war, rückte der 26-jährige Flügelspieler mit der Wahrheit heraus. „Als ich mit 20 beim AC Mailand ankam, war Hakan der Erste, der mir seine Familie vorstellte. Wir aßen zusammen, er zeigte mir die Stadt“, sagt Saelemaekers, während er mit den Fingerspitzen über das Mikrofon streicht. Die Erinnerung wirkt echt, fast zärtlich. Dann kommt der Satz, der in den sozialen Netzwerken binnen Minuten viral geht: „Als er zur Inter wechselte, verloren wir uns aus den Augen – nicht aus Hass, sondern aus Pflicht“.

Die Wortwahl ist bewusst diplomatisch, doch die Botschaft ist klar: Die innige Verbindung ist abgekühlt. Seit 2021 leben beide in derselben Stadt, doch ihre Wege kreuzen sich nur noch auf dem Rasen. Saelemaekers trainiert morgens um 10:30 Uhr in Milanello, Calhanoglu um 11:00 Uhr in Appiano Gentile. Zwischen den Sessions liegen 28 Kilometer und ein Graben, der tiefer ist als je zuvor.

Der transfer, der nie verheilt

Der transfer, der nie verheilt

Fans des Rossoneri haben den Freistoßspezialisten nie verziehen. 172 Einsätze, 32 Tore, 48 Vorlagen – seine Statistik war makellos, bis er die schwarz-blaue Seite wählte. Bei der Meisterfeier 2022 schallte Zlatan Ibrahimović’ Spott noch durchs Stadion: „Schickt Hakan eine Grußkarte“. Seitdem ist jedes Derby ein Minenfeld. Calhanoglu traf in drei der letzten fünf Duelle gegen seinen Ex-Klub, assistierte zweimal – und feierte jedes Mal mit ausgestrecktem Zeigefinger Richtung Curva Sud.

Saelemaekers will sich davon nicht mehr treiben lassen. „Ich folge ihm nicht mehr auf Instagram, er mir auch nicht. Das ist kein Drama, nur Realität“, sagt er und lacht kurz auf, als der Moderator nachstichelt. Der Belgier wirkt erwachsen geworden, fast nüchtern. Vielleicht liegt es an seiner Leihe bei Bologna in der Saison 2024/25, die ihn gelehrt hat, dass Karrieren schneller vorbei sind als Derby-Krach.

Am sonntag wird die pause enden

Am sonntag wird die pause enden

Beim 198. Mailand-Derby (20.45 Uhr, San Siro) stehen sich beide wieder gegenüber. Calhanoglu wird als Regisseur in Simone Inzaghis 3-5-2 die Pausenzeiten bestimmen, Saelemaekers als links außen im 4-2-3-1 versuchen, gen diese Seite zu drücken. Beim 0:1 im Oktober war es der Türke, der den Freistoß vorbereitete; beim 2:2 im Rückspiel war es der Belgier, dessen Flanke zum Ausgleich führte. Die Bilanz: zwei Punkte Vorsprung für Inter, aber ein Seelenvorsprung für jene, die Treue höher als Titel werten.

„Ich werde ihn vor Anpfiff grüßen, ganz normal“, sagt Saelemaekers. Kein Handschlag unter der Tribüne, kein Blickkontakt beim Elfmeter. Eine herzlose Routine, 90 Minuten lang. Danach fährt Calhanoglu nach Appiano, Saelemaekers nach Milanello – und die 28 Kilometer werden wieder zur Mauer. Die Freundschaft bleibt auf Eis, der Ball rollt weiter. So schnell verflüchtigt sich Nostalgie, wenn der Schiri pfeift.