Sabattier: bundesliga ignorada en francia – bis zur wende!
Jean-Charles Sabattier, die Stimme der Bundesliga in Frankreich, plaudert über seine fußballerischen Anfänge und enthüllt eine überraschende Erkenntnis: „Am Anfang meiner Karriere haben die Franzosen die Bundesliga nicht interessiert.“ Eine Offenbarung, die zeigt, wie sich die Wahrnehmung desdeutschen Fußballs im Laufe der Zeit gewandelt hat.
Von hertha zur bundesliga-leidenschaft
Der gebürtige Franzose, der seine Jugend in West-Berlin verbrachte, hegt eine besondere Beziehung zum deutschen Fußball. Seine erste Liebe war Hertha BSC, die er mit seinem Vater im Olympiastadion verfolgte. „Als ich jung war, spielten dort Spieler wie Erich Beer oder Uwe Kliemann“, erinnert sich Sabattier. Ein prägendes Erlebnis war das Pokalspiel 1977 gegen Bayern München, das Hertha nach Verlängerung mit 4:2 gewann – ein unvergesslicher Moment, der von einem Doppelpack Granitzers gekrönt wurde. Diese frühen Eindrücke legten den Grundstein für seine spätere Karriere als Bundesliga-Kommentator.

Die ddr-oberliga als geheimtipp
Doch nicht nur der West-Berliner Fußball faszinierte den jungen Sabattier. Er schaltete sich regelmäßig in DDR-Fernsehsendungen ein, um die Spiele der Oberliga zu verfolgen. „Dort wurde sehr viel Sport übertragen“, so Sabattier. Besonders beeindruckt war er von den ungewöhnlichen Vereinsnamen wie Traktor Schwerin oder Sachsenring Zwickau und den Spielern wie Joachim Streich und Jürgen Sparwasser. Diese frühen Kontakte zur ostdeutschen Sportwelt trugen zu seiner breiten Fußballkompetenz bei.

Ein wandel der wahrnehmung
„Am Anfang meiner Karriere war das so“, erklärt Sabattier. „Damals haben sich die Franzosen überhaupt nicht für die Bundesliga interessiert.“ Erst mit der Übertragung der Bundesliga-Spiele im französischen Fernsehen begann sich die Wahrnehmung zu wandeln. „Jetzt haben wir die Übertragungsrechte und es gibt immer mehr Leute, die sich dafür interessieren.“ Die Bundesliga sei wie ein guter Freund, den man nicht so oft sieht, aber dessen Wiedersehen immer großartig ist. Die Fankultur in Deutschland, geprägt von der 50+1-Regel und der Leidenschaft der Fans, unterscheidet sich deutlich von der französischen.
Mehr als nur taktik
Entgegen der Klischees, die im französischen Fußball über die Bundesliga verbreitet werden, betont Sabattier, dass der deutsche Fußball mehr als nur Taktik und Disziplin sei. „Es ist ein sehr pragmatischer Fußball. Und die Liga ist spannend und spektakulär.“ Die Begeisterung, die Atmosphäre und die vollen Stadien machen die Bundesliga zu einem einzigartigen Erlebnis.
Nach über drei Jahrzehnten als Bundesliga-Kommentator, hat Jean-Charles Sabattier die Entwicklung des deutschen Fußballs hautnah miterlebt und gestaltet. Seine Stimme ist untrennbar mit der Bundesliga verbunden – eine Erfolgsgeschichte, die mit einer überraschenden Feststellung begann: Dass die Bundesliga einst in Frankreich kaum Beachtung fand.
