Russin schnappt sich super-g-gold – und beendet 12-jährige medaillenflaute

Varvara Voronchikhina rast in 1:15,60 Minuten die Tofane-Piste hinunter und lässt der Konkurrenz keine Chance. Das 23-jährige Talent aus Irkutsk holt in Cortina d’Ampezzo die erste Goldmedaille für Russland seit Sotschi 2014 – und das gleich zwei Tage nach ihrer Bronzeeinlage im Abfahrtslauf.

Die Französin Aurélie Richard (+1,96 Sek.) und die Schwedin Ebba Årsjö (+2,04 Sek.) müssen sich mit Silber und Bronze begnügen. Für Russland ist der Sieg mehr als nur ein Podestplatz: Nach Doppelsperre wegen Dopings und des Ukraine-Kriegs ist es das erste Mal, dass wieder die russische Hymne erklingt.

Standing-klasse lw6/8-2 dominiert

Voronchikhina startete mit Startnummer 7 und legte sofort Vollgas. Die LW6/8-2-Klasse – Arm- bzw. Beinamputation auf einer Körperseite – verlangt extreme Balance zwischen Geschwindigkeit und Kontrolle. Die Sibirerin meisterte die steile Eis-Passage so souverän, dass selbst die Favoritin Richard nach dem Rennen nur den Kopf schüttelte: „Sie hat heute eine andere Liga gespielt.“

Die Uhr stoppte bei 1:15,60 Minuten – ein Vorsprung, der in der Paraski-Welt wie eine Ewigkeit wirkt. Die 1,96 Sekunden Vorsprung auf Richard entsprechen fast zwei Torbögen, ein Seufzer der Erleichterung ging durch das russische Team. Nach zwölf Jahren Medaillen-Trockenheit ist der Druck endlich vom Kessel.

Politik und sport: das ipc gibt nach

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Das Internationale Paralympische Komitee hatte Russland nach der Invasion der Ukraine suspendiert, zuletzt unter Auflagen wieder zugelassen. Die Entscheidung spaltete das Athletenlager, doch Voronchikhina konzentrierte sich auf das, was sie am besten kann: Ski fahren. „Ich bin Sportlerin, keine Politikerin“, sagte sie mit zitternder Stimme im Mixed Zone-Mikrofon. Dann verschwand sie im Armee-Trackingsuit ihrer Föderation.

Die nächsten Rennen stehen an: Slalom und Riesenslalom. Mit dem Selbstvertrauen von Cortina dürfte Voronchikhina auch dort zur Medaillen-Gejagten gehören. Die russische Delegation reist mit neuem Schwung nach Peking – und mit einer Goldmedaille, die längst über die Sportseiten hinaus Signalkraft besitzt.