Russell wirft mercedes in china den nächsten schlag vor: „wir sind zurück, um zu bleiben“
George Russell spürt den Druck der Silberpfeile wie einen zweiten Herzschlag. Nach dem Sieg in Melbourne liegt der 28-Jährige erstmals in seiner Karriere an der Spitze der Formel-1-Wertung – und das nur drei Tage vor dem Sprint von Shanghai, wo Mercedes die Saison 2026 schon jetzt neu erfinden könnte.
Russell selbst redet das nicht klein. „Wir sind hier, um wieder um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, und genau darauf haben wir so hart hingearbeitet“, sagt er mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass die Konkurrenten noch keine Antwort auf das neue C-Modell haben. Die Aerodynamik um die Seitenkästen, das geänderte Verdichtungsverhältnis, das fast 50:50 hybride Moment – all das wirkt wie ein Trickfilm, den die anderen Teams gerade erst runterladen.
Der 19-jährige antonelli spielt joker an russells seite
Kimi Antonelli hingegen lacht noch nicht. Der Italiener, der vor dem Grand Prix von China nur zwei Punkte hinter Russell liegt, hat in den Simulatorläufen bis 3 Uhr nachts gesessen. „Wir müssen wirklich hart arbeiten, um an der Spitze zu bleiben“, sagt er mit der Stimme eines Debütanten, der schon wie ein Veteran klingt. Die Garage teilt er mit einem Mann, der 2020 selbst noch in der Formel-2-Taxi-Gruppe fuhr – und jetzt den Zenit der Hybrid-Ära einläutet.
Die Gegner schütteln nur mit dem Kopf. Red Bull verdichtete in den Wintertests 3000 Kilometer, McLaren baute ein neues Getriebe, Ferrari straffte die Karbon-Seitenwand – und trotzdem steht Mercedes nach einem Rennen wieder da, wo es 2014 begonnen hat: vorne. Die FIA hat zwar das angebliche Schlupfloch beim Verdichtungsverhältnis zum 1. Juni zugeschlagen, doch bis dahin zählt nur, wer die Punkte sammelt.

Alte zeiten, neue regeln: der vollgas-fetisch ist geschichte
Die Stimmen der Piloten klingen wie ein offener Brief an die Vergangenheit. Lando Norris vermisst das alte Gaspedal, Max Verstappen wettert gegen das ständige Batterie-Jonglieren. Russell kontert mit einem Lächeln: „Wenn er gewinnen würde, würde er das meiner Meinung nach nicht sagen.“ Denn genau das ist die neue Wahrheit: Wer die Energie nicht verjagt, gewinnt den Grand Prix. Das erste Rennen bewies es – 52 Runden lang jagte Russell das Aggregat zwischen 18:1 und 14:1, ohne dass ihm der Saft ausging.
Shanghai wird der Testfall. Schon morgen um 8 Uhr deutscher Zeit blinkt das grühe Licht für den Sprint über 100 Kilometer, am Sonntag folgt der Grand Prix mit vollem Kranz. Mercedes reist mit acht Konstrukteurstiteln im Gepäck an, mit der Erinnerung an die längste Siegesserie der Hybrid-Ära. Toto Wolff spricht es aus: „Wir hatten eine so lange Siegesserie, dann eine schwierige Phase. Aber nach einem souveränen Doppelerfolg hat man das Gefühl, wieder um den Weltmeistertitel zu kämpfen.“
Lewis Hamilton sitzt inzwischen im roten Auto, doch selbst er glaubt nicht an ein Ende der Silbernen Dynastie. „Wir sind nicht so schnell wie Mercedes, aber wir sind voll im Rennen“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der seinen ehemaligen Arbeitgeber noch einmal einholen will. Die Rechnung ist einfach: Wer in China doppelt punktet, legt sich schon im April ein Polster an, das im Herbst nach Mexiko-Stadt zählt. Und wer jetzt zögert, wird von einem 19-Jährigen und einem 28-Jährigen abgehängt, die gemeinsam die neue Mercedes-Ära eingeläutet haben.
