Roubaix-drama: colbrelli blickt zurück, van der poel zum favoriten erklärt

Sonny Colbrelli, der italienische Held der Paris-Roubaix 2021, hat sich mit dem Schicksal seiner Karriere abgefunden. Nach dem Herzproblem im Vorjahr und dem daraus resultierenden Rücktritt blickt er nun zurück – und gibt eine überraschende Prognose für das kommende Monument ab.

Die narben sind noch da, aber der blick nach vorne ist frei

Es ist ein paradoxes Bild: Der Mann, der 2021 im Schlamm des „Höllen Classics“ triumphiert und Italien in Ekstase versetzte, konnte das Rennen im darauffolgenden Jahr nicht einmal mehr ertragen. „Es hat lange gedauert, bis ich mich damit abgefunden habe, was passiert ist“, gesteht Colbrelli in einem Interview. „Ich konnte das Rennen einfach nicht mehr ansehen.“ Die Zeit hat jedoch ihre Wirkung getan. „Jetzt bin ich bereit“, sagt er. „Am Sonntag werde ich das Rennen live verfolgen.“

Pogacar im schatten, van der poel im rampenlicht

Pogacar im schatten, van der poel im rampenlicht

Colbrelli schätzt die Chancen von Mathieu van der Poel als die größten ein. „Ich hatte im Fiandre noch Pogacar als Favorit gesehen, da der Kurs ihm besser lag. Aber die Roubaix ist mehr nach dem Geschmack des Niederländers“, erklärt der ehemalige Profi. Besonders beeindruckt hat ihn die Motivation von Van der Poel, der auf der Suche nach seinem vierten Sieg in Serie ist – ein historischer Erfolg, der bisher noch niemandem gelungen ist.

Auch die Leistung von Filippo Ganna im Attraverso Le Fiandre des ersten Aprils gibt Anlass zur Hoffnung. „Ganna hat nach seinen technischen Problemen nie die Konzentration verloren. Er gehört definitiv zu den Fahrern, die um den Sieg mitk kämpfen können.“

Colbrellis Triumph bleibt unvergessen: Seine Fahrt auf dem Podest, der Pokal, das Stück Kopfsteinpflaster – diese Momente sind für ihn unvergesslich. „Ich habe es erlebt, vom Weckruf bis zum Schlafengehen. Das Gefühl, diesen Traum zu leben, war unbeschreiblich.“ Der Pokal und das Trikot sind immer noch gut aufgehoben – im Aquagranda, dem Wasserpark in Livigno, wo Colbrelli Testimonial ist.

Neuanfang in salò

Neuanfang in salò

Colbrelli hat das Radfahren zwar verlassen, aber der Sport ist ihm nicht fremd. Zusammen mit zwei Partnern hat er in Salò ein Unternehmen gegründet, das Fahrräder vermietet, geführte Touren anbietet und einen Fahrradladen betreibt. „Ich bin noch nicht ganz aus dem Geschäft raus“, grinst er. „Vielleicht werde ich ja eines Tages als Sportdirektor zurückkehren – aber zuerst möchte ich eine Jugendmannschaft aufbauen.“

Die Geschichte von Sonny Colbrelli ist eine Geschichte von Triumph und Tragödie, von Leid und Hoffnung. Und sie zeigt, dass selbst nach den größten Rückschlägen ein Neuanfang möglich ist. Die Roubaix 2024 wird für ihn ein besonderer Tag sein – ein Tag, an dem er sich seiner Vergangenheit stellt und gleichzeitig voller Zuversicht in die Zukunft blickt. Seine Einschätzung: Van der Poel wird die Konkurrenz dominieren, aber Ganna ist ein ernstzunehmender Herausforderer. Der Pavé wartet.