Rotatorien-chaos in italien: wer hat eigentlich vorfahrt?

Wer kennt es nicht? Man nähert sich einer Kreisverkehr, bremst ab, weil man nicht weiß, ob man sich einmischen darf oder nicht. In Italien ist das ein alltägliches Problem, denn die Regeln für Kreisverkehre sind verwirrend und uneinheitlich. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass Autofahrer regelmäßig in brenzligen Situationen landen – und das liegt nicht nur am individuellen Fahrverhalten.

Zwei regelwerke, ein großes durcheinander

Das Problem liegt tief im italienischen Straßenverkehrsrecht. Es existieren zwei unterschiedliche Arten von Kreisverkehren, die gegensätzliche Regeln für die Vorfahrt haben. Die eine Variante, die sogenannte „italienische“ Kreisverkehr, folgt der allgemeinen Regel, dass man sich auf kreuzungsähnlichen Anlagen dem Verkehr auf der bereits befahrenen Fahrbahn unterordnet. Das bedeutet: Wer bereits in der Kreisverkehr fährt, hat Vorfahrt. Wer einfahren will, muss warten, bis sich eine Lücke bietet – und sich dann mit größter Vorsicht einmischen. Das ist für viele Fahrer eine Umstellung, da sie instinktiv die Vorfahrt beim Einfahren erwarten.

Ganz anders funktioniert die „französische“ Kreisverkehr. Hier ist das Gegenteil der Fall: Ein Schild mit der Aufschrift „Vorfahrt gewähren“ weist darauf hin, dass Einfahrende Vorrang haben. Das System ist in Europa weit verbreitet und wird auch in Italien zunehmend bei Neubauten eingesetzt. Doch das Nebeneinander beider Systeme führt zu Unsicherheit und gefährlichen Situationen. Die Autofahrer müssen blitzschnell erkennen, welche Art von Kreisverkehr vor ihnen liegt, um das richtige Verhalten zu zeigen.

Martin Fedrizzi, Verkehrsjurist und Experte, weist auf die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung hin: „Es ist schlichtweg unverständlich, dass in einem modernen Staat wie Italien zwei völlig unterschiedliche Regeln für denselben Verkehrsknotenpunkt gelten. Das führt zu Verwirrung und gefährdet die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.“

Die circular 6935/2017 – ein schwacher trost

Die circular 6935/2017 – ein schwacher trost

Eine gewisse Klarheit schaffte 2017 das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr mit der Circular 6935. Diese erläutert, wie man sich in verschiedenen Kreisverkehrsituationen verhalten soll, ursprünglich für die Ausbildung von Fahrschülern gedacht. Doch auch dieses Dokument kann die Verwirrung nicht vollständig beseitigen, da es die unterschiedlichen Kreisverkehrtypen nicht explizit thematisiert.

Die Circular unterscheidet beispielsweise zwischen Kreisverkehren mit einer oder mehreren Fahrspuren und gibt Hinweise, wann man blinken muss und wie man sich in mehrspurigen Kreisverkehren verhält. Wer geradeaus fahren will, sollte in der Regel die rechte Fahrspur nutzen und den Blinker erst in der Nähe des Ausfahrtbereichs setzen. Bei Linksabbiegungen muss man sich auf die linke Fahrspur positionieren und frühzeitig den linken Blinker aktivieren.

Prudence ist gefragt – und ein wachsames auge

Prudence ist gefragt – und ein wachsames auge

Trotz aller Bemühungen bleibt die klare Regelung auf der Strecke. Die italienischen Straßen sind gespickt mit rund 18.000 Kreisverkehren, und jeder Fahrer muss selbst dafür sorgen, dass er die jeweils geltenden Regeln kennt. Das bedeutet: Immer langsam heranfahren, die Beschilderung genau beachten und sich der möglichen Gefahren bewusst sein. Nur so kann man einen sicheren Durchgang durch den Kreisverkehr gewährleisten.

Die Situation zeigt deutlich, dass eine umfassende Reform des italienischen Straßenverkehrsrechts dringend erforderlich ist, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und die Verwirrung bei den Autofahrern zu beseitigen. Bis dahin bleibt uns nur eines: Vorsicht und Aufmerksamkeit.