Ronaldo fällt aus: portugals weltcup-test ohne ihren superhelden
Roberto Martínez muss in den nätzten Tagen beweisen, dass Portugal auch ohne Cristiano Ronaldo überleben kann. Drei Monate vor der WM in Mexiko und den USA fehlt der Rekordtorschütze in den Testspielen – und die Debatte um einen vermeintlich besseren Stil ohne ihn lodert wieder auf.
Muskelfaserriss, keine katastrophe – aber ein signal
Die Diagnose lautet: leichter Muskelfaserriss, zwei Wochen Pause. „Der Weltcup ist nicht gefährdet“, beruhigte Martínez die Länderspielpause. Doch genau diese Ruhe wirkt im Sturm der Zahlen wie ein Witz. Ronaldo schoss fünf der elf portugiesischen Tore in der Qualifikation. Ohne ihn klapperte das Netz nur noch durch Nebenleute. Wer jetzt denkt, der Trainer schlafe ruhig, kennt seine Angreifer nicht.
Die Frage ist nicht neu: Spielt Portugal wirklich besser, wenn der 39-Jährige fehlt? Die Statistik lügt selten. In den letzten drei Einsätzen ohne CR7 gewann die Seleção mit 4:0, 9:0 und 5:0. Die Tordifferenz: 18:0. Die optische Differenz: Ballgeschwindigkeit statt Ballansage, Pressing statt Pausen. Martínez aber schlägt einen anderen Ton an: „Er ist unser Kapitän, unser Leitwolf, unser Toraktivator.“

Gonçalo ramos zittert, paulinho fliegt ein
Die Alternativen wirken wie ein Blick in die Notfallkiste. Gonçalo Ramos, einst der Shooting-Star von Lissabon, dümpelt bei Paris mit zwölf Startelfeinsätzen in 38 Spielen vor sich hin. Zehn Tore, okay, aber kein einziger, der das Stadion zum Toben bringt. André Silva versandete in Leipzig, Vitinha und Fábio Silva versuchen sich in der Zweitliga-Hölle. Anísio Cabral trainiert bei Mourinho, bleibt aber ein Projekt für 2028, nicht für 2026.
Also fliegt Paulinho aus Mexiko ein – 54 Tore in 80 Spielen für Toluca, drei Länderspiele, zuletzt vor drei Jahren. „Jeder Junge träumt davon, für sein Land aufzulaufen. Ich bin 7000 Kilometer weit weg und trotzdem hier“, sagt er. Die Ironie: Ein Second-League-Torschützenkönig soll den Weltstar ersetzen, während der eigentliche Nachfolger Ramos mit dem Rücken zur Wand steht.
Martínez testet also Systeme, nicht nur Spieler. 4-3-3 mit Leao als falsche Neun? 4-2-3-1 mit Felix hinter Ramos? Oder doch das alte 4-4-2, das Ronaldo einst perfektioniert hat? Die Antwort kommt im Sommer, wenn Mexiko und die USA den Druck erhöhen. Bis dahin zählen Minuten, nicht Mythen.
143 Tore in 229 Länderspielen – diese Zahl nagt an jedem Stürmer, der sich in Lissabon anzieht. Ronaldo wird zurückkommen, das steht fest. Ob Portugal bis dahin gelernt hat, ohne ihn zu atmen, entscheidet, ob der Weltcup-Traum lebt oder bereits im März stirbt.
