Roma kassiert wahnsinnsspiel: svilar patzt, ndicka kollabiert – bernardeschi wird zur büro-granate

Roma – 120 Sekunden reichten, um die Roma in Trance zu versetzen. Zwischen der 87. und der 90. Minute zerplatzte die Europapokal-Träumerei im Olympico wie ein Seifenblasen-Kunststück. Torhüter Mile Svilar, sonst eine Bank, diesmal wegen Patzer-Sequenzen gefühlt nur noch eine Statue. Evan Ndicka traf zum 1:1, kassierte aber direkt die Mitschuld am 1:3 und am 3:4. Die Kurve tobte, José Mourinho schluckte sichtbar, und Federico Bernardeschi? Der Kanadier verwandelte den entscheidenden Elfmeter und schickte die Roma in die Mini-Krise.

Svilar verliert das spiel – und die nerven

Mile Svilar war kurz vor dem Sieg noch der Held. Dann kam die 87. Minute. Ein harmloser Distanzschuss rutschte ihm durch die Finger, das Leder kullerte zur 1:3-Führung der Gäste ins Netz. Die Roma-Fans verstummten. Sekunden später grätschte Ndicka im Strafraum zu spät, Bernardeschi ließ sich fallen, pfiff sich selbst – und verwandelte. 3:4. Das Stadion kochte vor Wut. Svilar stand mit hängenden Schultern da, als hätte jemand die Luft aus seinem Körper gelassen.

Die Statistik ist gnadenlos: In den letzten fünf Heimspielen kassierte die Roma 13 Gegentore. Svilar war in drei dieser Partien zwischen den Pfosten. Die Quote spricht gegen ihn, doch die wahre Schwäche liegt tiefer: Die Viererkette um Ndicka, Mancini und Smalling räumt Räume, als hätte man sie mit einem Besen statt mit einem Befehl ausgestattet.

Ndickas achterbahn: tor, dann blackout

Ndickas achterbahn: tor, dann blackout

Evan Ndicka erlebte den perfekten Mikrokosmos der Roma-Defensive. In der 71. Minute stützte er sich nach einer Ecke durch, köpfte zum 1:1 ein – sein erstes Saisontor. Jubel, Erleichterung, Selbstvertrauen. Dann kam der Crash. Erst verpasste er die Zuordnung beim 1:3, Sekunden später grätschte er zu spät gegen Bernardeschi. Elfmeter. 3:4. Ndicka schlug die Hände vors Gesicht, Mourinho drehte sich weg. Die Roma hat in dieser Saison bereits 13 Gegentore nach Eckbällen kassiert – Bundesliga-Vergleich: nur Bochum ist schlechter.

Was folgt, ist ein Déjà-vu: Die Roma verliert Punkte, weil individuelle Fehler sich wie Domino-Steine durch die Abwehr fräsen. Ndicka ist dabei nur das prominenteste Beispiel. Die wahre Baustelle sitzt tiefer – in der Kommunikation zwischen Tor und Viererkette.

Bernardeschi: vom ausgeliehenen zum leader

Bernardeschi: vom ausgeliehenen zum leader

Federico Bernardeschi lief ursprünglich nur als Joker auf. Dann schoss er die Roma aus dem Stadion. Sein Penalty war kein Standard, sondern ein Statement: Er zögerte nicht, legte sich das Leder zurecht und hämmerte es links oben unter die Latte. Danach feierte er mit der Gäste-Kurve, als hätte er gerade ein Endspiel gewonnen. Die Zahlen sprechen für ihn: Fünf Tore in den letzten sieben Spielen, drei Vorlagen, zwei Elfmeter verwandelt. Bernardeschi ist längst mehr als nur ein Ausleihe: Er ist die mentale Zündschnur der Gäste.

Rom-Coach José Mourinho hatte vor dem Spiel gewarnt: „Bernardeschi ist kein Spieler, er ist ein Brandbeschleuniger.“ Das Feuer lodert nun in der Tabelle. Die Roma rutscht auf Platz acht, die Europapokal-Plätze entfernen sich auf vier Punkte. Die Saison ist noch lang, aber die Nerven sind bereits blank.

Am Ende bleibt ein bitterer Beigeschmack: Die Roma hatte das Spiel in der Hand, verlor es durch drei individuelle Fehler innerhalb von 180 Sekunden. Svilar wird die Nacht nicht schlafen, Ndicka wird sich die Videos anschauen – und Mourinho wird die Mannschaft in die Wüste schicken. Die Saison ist nicht verloren, aber die Illusion, dass die Defensive sich selbst repariert, ist endgültig gestorben.