Rolfes blockiert hjulmand-rauswurf – bayer verharrt im hoffnungstrott

Simon Rolfes zog am Dienstag die Notbremse. Kein zweiter Trainerwechsel, kein neuer Reboot. Kasper Hjulmand bleibt, obwohl Bayer 04 seit Wochen wie ein Betriebssystem wirkt, das jeden zweiten Tag neu hochfährt – und dann wieder hängt.

Die Ansage des Managers klingt nach Schulterschluss, ist aber reine Brandschutzmaßnahme. „Ein Trainerwechsel ist kein Szenario, mit dem wir uns beschäftigen“, sagte Rolfes der Bild. Die Jobgarantie für Hjulmand ist kein Vertrauensbeweis, sondern das kleinere Übel, um die ohnehin bröckelnde Kabine nicht endgültig zum Einsturz zu bringen.

Die bilanz, die keiner mehr schönreden kann

Sechs Spiele gegen Abstiegskandidaten, neun Punkte. Kein Sieg in Folge, kein Plan, der länger als 45 Minuten funktioniert. Die Champions-League-Ränge sind vier Punkte entfernt, das Gefühl der Entfremdung zwischen Anspruch und Realität dagegen unmessbar. Gegen Bayern stark, gegen Heidenheim erneut ein 3:3, das wie eine Niederlage schmeckt.

Rolfes versucht, die Punkte zu erklären, die da nicht sind. „Wir haben gegen Bayern eine richtig gute Leistung gebracht und nicht gewonnen“, sagt er. Das klingt nach Fußball-Mathematik: zwei Halbzeiten plus eine gute erste Hälfte gleich null Siege. Die Konstante heißt Frust.TAG22

Der sieben-tage-rhythmus als retter? eine verzweiflungsthese

Der sieben-tage-rhythmus als retter? eine verzweiflungsthese

Hjulmand klammert sich an den Spielplan. „Von Samstag zu Samstag spielen“ sei gut für sein Team, sagt er, als hätte die Physik der Bundesliga plötzlich einen Freundlichkeitsmodus. Die Wahrheit: Bayer ist müde, weil es keine Automatismen hat, nicht weil es zu viele Spiele gab.

Die restlichen Gegner: Dortmund und Stuttgart auswärts, Leipzig daheim. Bilanz gegen die Top 5: ein Sieg, sechs Niederlagen. Die Frage „Warum soll es jetzt klappen?“ bleibt offen wie ein Tor, das Lukas Hradecky nicht mehr erreicht.

Rolfes’ letzte waffe: der weckruf, der keiner ist

Rolfes’ letzte waffe: der weckruf, der keiner ist

„Jetzt muss Heidenheim unser Weckruf sein“, sagt Rolfes. Dabei hat er dieselbe Phrase schon vor dem Spiel in der Voith-Arena benutzt. Die Mannschaft schlief weiter. Die Leitstelle ist besetzt, aber keiner reagiert.

Am Ende bleibt ein Club, der sich selbst als Titelaspirant deklariert hat und nun um die Teilnahme an einem Wettbewerb kämpft, den er vor drei Jahren noch als Mindestziel bezeichnete. Die Saison ist kein Marathon mehr, sie ist ein Hindernislauf – und Bayer trägt Startnummer 6.