Rolf danneberg wird 73: der diskus-revolutionär, der olympia im boykott-jahr eroberte

Am 10. August 1984 schleuderte Rolf Danneberg eine Scheibe 66,60 Meter weit – und schmetterte damit die Favoriten, die Weltrangliste und die deutsche Leichtathletik-Geschichte. Heute wird der Pinneberger 73 Jahre alt.

Arbeitslos, aber in bestform – die unglaubliche vorbereitung

15 Monate vor dem Sensations-Coup in Los Angeles hatte der 31-jährige Lehramtsabsolvent keine Stelle, kein festes Einkommen, nur ein Ziel: „Ich wollte zeigen, dass ich nicht nur werfen kann, sondern gewinnen.“ Während seine Konkurrenten Mac Wilkins und John Powell im Sonnenstaat Kalifornien Sponsoren-Checks kassierten, trainierte Danneberg zwischen Harz und Heide – finanziert von Kurzarbeit und Sporthilfe-Kleingeld. Die Boykott-Entscheidung der Ostblock-Staaten riss zwar Weltmeister Imrich Bugar aus dem Feld, doch Danneberg war trotzdem nur Außenseiter Nummer acht im Buchmacher-Index.

Im vierten Versuch drehte er sich einmal mehr um sich selbst, der Diskus flog wie eine verrückte Kreissäge – 66,60 Meter, persönliche Bestleistung, deutsche Rekordmarke, Gold. Carl Lewis jubelte nebenan über seinen vierten Sieg, doch im Deutschen Haus war nur ein Name zu hören: Rolf Danneberg. Ausgerechnet er, der Typ mit ergrautem Vollbart und Pilotenbrille, der lieber Steine ins Wasser hüllt als Interviews gibt.

Von gold zu bronze – und der doping-streit, der ihn spaltete

Von gold zu bronze – und der doping-streit, der ihn spaltete

Vier Jahre später in Seoul steigerte er sich auf 67,38 Meter – und wurde dennoch nur Dritter. Jürgen Schult (DDR) und Romas Ubartas (UdSSR) warfen weiter, doch beide wurden später mit Dopingsperren oder Staatsprogrammen in Verbindung gebracht. Als Alwin Wagner 1990 auspackte, schloss sich Danneberg zusammen mit Schult und Lars Riedel in einem offenen Brief gegen den Whistleblower. „Opfer eines Rachefeldzugs“, hieß es da. Heute schweigt Danneberg zu diesem Kapitel, seine Stimme wird nur noch hinter der Bande laut – als Trainer von Markus Münch, WM-Teilnehmer 2009.

Seine eigene Gold-Medaille hängt nicht in einem gläsernen Schaukasten, sondern liegt in einer Schublade. „Ich brauche keine Show, ich hab die Geschichte geschrieben“, sagt er Freunden. Und diese Geschichte beginnt jedes Jahr neu, wenn der 1. März kalendermäßig anklopft: Der Tag, an dem der erste deutsche Diskus-Olympiasieger das Licht der Welt erblickte – und die Konkurrenz nie wieder locker ließ.