Rocchi vor gericht: serie a in aufruhr – schiedsrichter-skandal droht
Die italienische Fußballelite zittert. Gianluca Rocchi, der mächtige Designator der Serie-A- und B-Schiedsrichter, muss sich wegen Sportbetrugs vor der Mailänder Staatsanwaltschaft verantworten. Die Vorwürfe: Er habe VAR-Entscheidungen manipuliert und Günstlinge berufen. Die Nachricht schlug am Sonntag ein wie ein Blitz – und riss weitere Funktionäre mit in den Strudel.
Die var-bande: nasca und gervasoni unter druck
Luigi Nasca, VAR-Schiedsrichter im Zweitliga-Spiel Salernitana–Modena vom 8. März 2025, steht ebenfalls auf der Anklagebank. Laut Anklage drängte Rocchi ihn, den Schiedsrichter zu einem On-Field-Review zu zwingen, um einen zuvor zugesprochenen Elfmeter für Modena zu kippen. Nasca war auch in Inter–Verona (6. Januar 2024) am Videopult – jene Partie, in der Alessandro Bastoni nach einer vermeintlichen Faustattacke ungesühnt blieb. Zufall? Die Ermittler glauben nicht.
Andrea Gervasoni, langjähriger Elite-Schiedsrichter, soll Rocchi als Sprachrohr gedient haben. In den Protokollen steht wörtlich: „Er klopfte gegen die Scheiben des VAR-Zentrums in Lissone, um Nasca zu animieren, einzugreifen.“ So etwas nennt man in Italien „bussate“ – das rituelle Klopfen, das stillschweigend jede Intervention anmeldet.

Die folgen: zwangsversetzung oder systemwechsel?
Rocchi hat sich selbst suspendiert, um „die Ruhe im Schiedsrichterkorps zu wahren“. Doch die Ruhe ist vorbei. Die Staatsanwaltschaft listet zwölf fragwürdige Designationen der abgelaufenen Saison auf – Spiele, bei denen Inter angeblich profitierte. Der Klub selbst ist nicht beschuldigt, aber der Ruf bleibt kleben.
Ex-Designator Paolo Casarin fordert radikale Konsequenzen: „Die Schiedsrichter sollen sich einen echten Job suchen, dann sind sie unabhängig. Wer nur vom Fußball lebt, wird zum Lakaien der Macht.“ Und Fabio Capello warnt: „Nach Calciopoli 2006 haben wir gelernt, dass schnelle Schuldzuweisungen gefährlich sind. Aber wenn sich diese Vorwürfe erhärten, bricht das System zusammen.“
Die FIGC schiebt die heiße Kartoffel an den CONI weiter. Ein Kommissariat der gesamten Liga lehnte Sportrechtsanwalt Mattia Grassani ab: „Die Politik muss die Selbstverwaltung respektieren. Es gibt keine rechtliche Grundlage für ein Notstandsregime.“ Doch die Uhr tickt. Die neuen Wahlen stehen im Juni an, und bis dahin muss die Liga ein Schadenslimit präsentieren.
Italiens Fußball hat drei WM-Turniere in Folge verpasst. Jetzt droht dem Image der Serie A der nächste Schlag. Die Frage ist nicht mehr, ob jemand schuldig ist – sondern wie viele mitmachten, bevor das VAR-Klopfen verstummt.
