Robin cuche wirft mit doppel-gold onkel didier aus dem thron

Der Name Cuche ist in der Schweiz Ski-Geschichte. Aber seit Montagabend steht nicht mehr Didier, sondern Robin darüber – und der 27-Jährige schrieb seinen Familiennamen in Großbuchstaben neu: Doppel-Gold an einem einzigen Tag, Paralympics 2026, Cortina. Erste Abfahrt, dann Super-G, beide Male kein Gegner in Reichweite. Didier Cuches olympisches Silber von 1998? Vergessen. Die neue Messlatte heißt 2 x Gold.

Der fehler, der keiner war

Im Ziel des Super-G schüttelte Robin Cuche noch den Kopf. „Mir ist genau die Kurve rausgerutscht, an der wir drei Tage gegraben haben“, sagte er und klang, als hätte er verloren. Dann fiel die Zeit: 1:11,23, fast zwei Sekunden Vorsprung. Cuche lachte, bis die Tränen kamen. „Ich dachte, ich bin zu langsam, aber unten hab ich wieder Vollgas gegeben.“ Halbseitig gelähmt seit der Geburt, stehende Klasse, keine Prothese, nur Muskelkraft und ein Brett unter den Füßen – das reichte, um die Konkurrenz zu pulverisieren.

Die Medaille nahm er nicht einfach entgegen, er riss sie formlich aus der Hand des IOC-Delegierten. „Das ist mein Ticket in die ewige Tabelle“, sagte er. Und meinte nicht die Paralympics, sondern die Cuche-Familienchronik, die fortan bei Gold beginnt und nicht bei Silber.

Die stunde danach ist leer

Die stunde danach ist leer

Dienstag folgte die Super-Kombination. Start, Schwung, Sturz. Kein drittes Gold, dafür ein blutiges Knie und ein Schultereckgelenk, das ihm den Arm nach vorn dreht, als wolle es applaudiert. „Scheiss auf die Medaille“, sagte er im Ziel, „ich wollte nur zeigen, dass ich nicht aufhöre.“ Die Hoffnung, mit Landsmann Franjo von Allmen den Triple zu wiederholen, platzte in Sekundenbruchteilen, doch Cuche grinste: „Nächstes Mal fahre ich mit zwei Brettern, dann bleib ich drauf.“

Die Zahlen sprechen trotzdem: Zwei Starts, zwei Gold, eine Machtdemonstration, die selbst die italienischen Fans in Cortina zum Brüllen brachte. „Robin! Robin!“ – der Ruf hallte durch die Tofana-Abfahrt, und wer wollte, konnte darin den alten Jäger-Didier hören, nur lauter.

Die Paralympics haben ihren neuen Helden. Er kommt aus Schweiz, trägt den gleichen Nachnamen wie einst der König der Streif, aber er trägt ihn jetzt in Gold. Und er trägt ihn weiter: Beijing 2028 ist schon vermerkt, drei Tage nach Cortina. Die Familienlegende lebt – nur eben auf der anderen Seite des Sports.