Rivera: 'heute würde ich den ball zurückspielen!' – legendärer moment im azteca und scharfe kritik am modernen fußball

Mexico-Stadt – Gianni Rivera, eine Ikone des Mailänder AC und der italienischen Nationalmannschaft, kehrte an den Ort zurück, der seinen Namen für immer in die Geschichte des Fußballs eintrug: das Estadio Azteca. Dort, wo 1970 das „Spiel des Jahrhunderts“ gegen Deutschland stattfand, feiert Rivera die Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft und lässt die Vergangenheit Revue passieren. Doch neben den Erinnerungen an glorreiche Momente gibt es auch eine bittere Erkenntnis über den Zustand des modernen Fußballs.

Der azteca: mehr als nur ein stadion

Für Rivera ist der Azteca mehr als nur ein Stadion – er ist ein Denkmal. Eine Trophäe, die ihm zusteht. Eine Plakette erinnert an das historische Spiel, an das 4:3 gegen Deutschland, ein Spiel, das beide Nationen in die Annalen des Fußballs eingehen ließ. „Es ist schön, wieder hier zu sein, nach all den Jahren“, sagte Rivera. „Es war ein großartiges Spiel, wir haben Geschichte geschrieben.“

Erinnern wir uns an diesen legendären Moment: Neun Minuten vor Schluss der Verlängerung, Stand 3:3, spielt Boninsegna quer, Rivera trifft zum 4:3! Doch heute, so Rivera, würde er diesen Moment anders erleben. „Heute würde ich den Ball zurück zu Boninsegna spielen, der ihn dann zu De Sisti weiterleiten würde, und so weiter, bis zum Torwart Albertosi. So spielt man heute Fußball.“

Ein „Tuffo al Cuore“ – Ein Sprung ins Herz

Rivera schilderte den Moment des Tores mit Inbrunst: „Ich rannte zum Tor, Bobo (Boninsegna) passte quer, ich bereitete mich vor, mit dem linken Fuß abzuschließen. Der Torwart Maier war bereits im Sprung. Ich wechselte den Fuß, lenkte den Ball mit dem rechten Fuß in die linke Ecke. Maier warf sich hin, aber es war zu spät. Ein Sprung ins Herz, schön, wunderschön, wunderbar!“

Die bittere wahrheit über den modernen fußball

Die bittere wahrheit über den modernen fußball

Doch die Nostalgie weicht bald der Kritik. Rivera zeigt sich besorgt über die Entwicklung des Fußballs. „Heute glauben die Vereine nicht mehr an die Politik, die Baresi und Maldini hervorgebracht hat“, klagt er. Er sieht eine Dominanz der Berater, die ihre eigenen Taschen füllen, während junge Talente zu kurz kommen. „Viele Familien verzichten darauf, ihre Söhne weiter zu fördern, weil sie es sich nicht leisten können, Berater zu bezahlen.“

Er schlägt eine klare Linie vor: „Ich wähle Abete“, erklärt Rivera und bekräftigt seine Unterstützung für den Kandidaten für den Präsidenten des italienischen Fußballverbands. „Er liebt den Fußball und kennt ihn bis ins Detail. Wir müssen den strukturellen Wandel vorantreiben, die Formate überdenken und die Jugend fördern.“

Rivera lässt keinen Zweifel daran, dass die Zukunft des Fußballs von einer grundlegenden Erneuerung abhängt. Die Erinnerung an den Azteca und das „Spiel des Jahrhunderts“ mag ein schönes Bild sein, aber die Gegenwart zeigt, dass der Fußball dringend eine neue Richtung benötigt – weg von der Macht der Berater und hin zur Förderung des Talents, wie es einst in Italien der Fall war.