Riera zieht vor letztem spiel die klinge: interna, beleidigungen, mallorca
Albert Riera hat sich entschieden: Er geht, aber nicht leise. Bei seiner wohl letzten Pressekonferenz als Eintracht-Trainer polterte der Spanier am Freitag durchs Wendelstein-Center, zog gegen Spieler, Medien und „Maulwürfe“ in den eigenen Reihen blank – und vergaß dabei fast, dass Frankfurt am Samstag gegen Stuttgart noch die Conference League klar machen kann.
„Ich weiß mehr“ – riera erklärt sich zum gewinner
Die Ansage kam früh. Noch bevor die erste Frage durchs Zimmer flog, hatte Riera die Opferrolle besetzt. Oscar Höjlund und Nnamdi Collins fallen aus? „Ich hatte recht, ihr wart überrascht“, spuckte er den Kollegen entgegen. Dass niemand die Verletzung des Innenverteidigers je bezweifelt hatte, spielte keine Rolle. Hauptsache, die Botschaft steht: Albert versteht das Spiel besser als alle.
Statt über die Favoritenrolle gegen den bereits abgestiegenen VfB zu sprechen, nahm er das Mikro als Katapult. Ziel: Burkardt. Der Stürmer hatte in Dortmund nach seinem Tor die Bank beschimpft – auf Spanisch, direkt in Richtung Coach. Riera ließ durchblicken, dass er das Video in der Kabine vorgeführt habe. Geldstrafe, Entschuldigung, „er hat einen guten Charakter“. Klingt nach Ende, ist es nicht. Denn der 44-Jährige nutzte den Vorfall, um die nächste Runde „Alle gegen mich“ zu laden.

Frühstücks-frage wird zur kampfansage
Als ein Reporter nach dem Inhalt des Wutausbruchs fragte, konterte Riera mit einem Sarkasmus, der seinem Image perfekt schmeckt: „Wissen Sie auch, was ich zum Frühstück hatte?“ Die Antwort folgte postwendend – Avocado-Lachs-Toast – und wurde zur Social-Media-Meme. Hinter dem Spaß verbirgt sich ein Chef, der längst die Nerven verliert. „Ich habe in sieben Ländern gearbeitet, so etwas habe ich noch nie erlebt“, wetterte er und forderte interne Verschwiegenheit ein. Dass diese Forderung ausgerechnet auf einer öffentlichen PK fiel, schien ihm nicht aufzufallen.
Die Konsequenz: Burkardt sitzt trotz Tamtam im Kader, Riera reist nach dem Spiel „auf einen tollen Sommer nach Mallorca“ – und die Eintracht? Die muss gewinnen, weil Freiburg gleichzeitig bei Union ran muss. Ein Sieg reicht, wegen des besseren Torverhältnisses. Aber die Spannung darüber wurde vom Coach selbst gekappt.

Letzter akt ohne happy end
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 41 Punkte, 49:52 Tore, Platz acht. Kein einziges Mal in dieser Rückrunde schaffte Frankfurt zwei Siege hintereinander. Gegen Stuttgart, die seit acht Partien sieglos sind, ist der Gegner formal ein Geschenk. Doch die Stimmung? Eine Mannschaft, die sich lieber über die Medien beschimpft, statt Taktik zu besprechen.
Riera verkündete, „keine halbe Sekunde“ über seine Zukunft nachgedacht zu haben. Das glaubt ihm niemand. Sportvorstand Markus Krösche schweigt bislang, dohrte aber intern bereits nach einem „Neuanfang“. Die Fans rechnen mit Trennung, die Spieler – laut Insidern – ebenfalls. Am Samstag wird die Waldstadion-Atmosphäre daher zwiegespalten sein: Applaus für ein Europa-Ticket, Pfiffe für den Mann, der das Ticket holen soll, aber lieber über Frühstück diskutiert.
Um 15.30 Uhr rollt der Ball. Wenn Frankfurt gewinnt und Freiburg patzt, fliegt die Eintracht trotzdem nach Europa. Dann dürfte Riera am Airport abreisen – mit Sonnenbrille, Avocado im Gepäck und dem Gefühl, endlich Recht behalten zu haben. Ob dem Club das reicht? Fragt sich nur, wer danach noch Fragen stellt.
