Ried bleibt torlos, stolz zaubert: gak-remis mit beigeschmack
Ein Riesenaufgebot an Chancen, ein Riesenfrust am Ende. Die SV Ried spielte in Graz groß auf, doch vor dem Tor klein. Der 1:1-Auswärtszähler gegen den GAK schmeckt nach zwei Punkten verschenkt, nicht nach einem Punkt gewonnen.
Stolz ist die mauer, der gak die macht
Franz Stolz war es wieder, der die Innviertler mit bloßen Händen stoppte. Drei Mal sträubte sich seine Latte, zweimal kratzte er mit Fingerspitzen. „Wir haben den Zauberer gefüttert, statt ihn zu entzaubern“, sagte Maximilian Senft nach dem Schlusspfiff. Der Ried-Coach wusste: Sein Team dominierte 73 Prozent der Spielzeit, aber nur 0,9 Expected Goals verwertete man. Die Statistik lügt selten – diesmal war sie grausam ehrlich.
Nikki Havenaar rettete mit seinem Kopfball spät einen Punkt, doch der Japaner war selbst Teil des Problems. Drei seiner vier Kopfballabschlüsse landeten direkt in Stolz’ Armen. „Wir trainieren Standards bis zur Perfektion, aber wenn der Torwart zwei Meter groß wirkt, bleibt selbst Perfektion wirkungslos“, so Senft.

Feldhofer sieht rot, die defensive sieht nichts
Auf der Gegenseite musste Ferdinand Feldhofer seine Mannschaft erst einmal anschreien. „Wir wirkten wie eingebildet, als wäre das Spiel schon gewonnen“, gestand der GAK-Coach. Das Foul an Marcel Ziegl vor dem Freistoß? „Kein Kontakt, der VAR lief heiß.“ Doch selbst ohne Videobeweis hätte seine Abwehr besser stehen müssen. Havenaar wurde nicht angegriffen, nur beobachtet. „Wir wissen, dass Ried bei Ecken ein Monster ist – trotzdem haben wir geschlafen“, so Feldhofer.
Die Tabelle lügt nicht: Der GAK führt die Qualifikationsgruppe mit zehn Punkten aus fünf Spielen an. Doch das Remis nagt. „Wenn wir am Dienstag in Ried nicht aufrütteln, fliegen wir hinten raus“, warnte Stolz. Der Goalie sprach aus, was viele dachten: Die Punkte vom Freitag sind nur dann wertvoll, wenn sie Folge haben.

Rückspiel ohne netzflicken
Beide Teams treffen am Dienstag in der Innviertler Keine-Sorgen-Arena wieder aufeinander. Für Ried heißt es: wer nicht trifft, kann nicht gewinnen. Für den GAK: wer nicht verteidigt, verliert den Gruppensieg. Die Marschroute ist klar. Senft will „den Ball ins Tor statt an die Latte“ bringen, Feldhofer will „die Zweikämpfe gewinnen, nicht nur suchen“. Die Fans erwarten ein offenes Feuerwerk – und hoffen, dass Stolz diesmal keine Flammen löscht.
Die Wahrheit liegt auf dem Platz: Ein Punkt reicht keinem. Die Qualifikationsgruppe ist kein Schaulaufen, sondern ein Slalom zwischen Selbstvertrauen und Selbstzerfleischung. Ried muss treffen, der GAK muss stehen. Alles andere ist nur Show.