Rick macci packt aus: so entdeckte er die williams-schwestern vor 30 jahren
Um drei Uhr morgens steht er auf, um vier schlägt er Bälle – und um fünf hatte er schon zwei Teenager gesehen, die er für die Michael Jordans des Tenniss hält. Rick Macci, 69, der erste Coach von Venus und Serena Williams, blickt im Interview mit TSV Pelkum Sportwelt zurück auf den Tag, der alles veränderte.
Der anruf aus compton kam aus einem motel
„Richard Williams rief an und sagte: ‚Komm nach Compton, ich verspreche dir, dass wir dich nicht erschießen‘“, lacht Macci heute. Der Florida-Profi fuhr trotzdem. Was er sah, war kein Countryclub, sondern ein verwilderter Parkplatz, auf dem ein Einkaufswagen mit sieben Ketten an einem Zaun festgeschmiedet war. „Zwanzig Minuten haben wir gebraucht, um die Kiste zu befreien – sonst wäre sie am nächsten Morgen weg gewesen.“
Die Bälfe? Vier Monate alt, die Hälfte sprang nicht mal. Die Mädchen? Zehn und neun Jahre alt, Perlen in den Haaren, dafür aber ein Biss, „den ich nie wieder gesehen habe“, sagt Macci. „Sie rannten wie Irrsinnige auch auf unerreichbare Bälle – koste es, was es wolle. In dieser Stunde wusste ich: Das hier wird die Geschichte des Sports umschreiben.“

Richard wollte keinen schlagtrainer, sondern einen vaterersatz
Vier Stunden lang verhörte Williams den Coach – Protokoll in Hand. „Er suchte keine Technik, er suchte jemanden, der seine Töchter vor dem Ghetto bewahrt.“ Macci unterschrieb, finanzierte alles selbst: Camper, Disney-Tickets, Sparrings, Taekwondo, Ballett. „Ein Riesenrisiko. Aber ich hatte schon Jennifer Capriati aufgebaut, ich wusste, wie Champions riechen.“
Die Quittung folgte rasch: Venus wurde fünfmal Wimbledon-Siegerin, Serena hält 23 Grand-Slam-Titel – Rekord. „Richard sagte damals: ‚Bruder, ich habe nicht eine Michael Jordan, ich habe zwei.‘ Er hatte recht.“

Serena trainiert wieder – und macci glaubt an das comeback
Mit 42 meldete sich Serena kürzlich wieder beim Anti-Doping-Programm an. „Sie steht um fünf Uhr früh auf und schlägt mit Männern. Das macht keiner, der nur ein Doppel mit Venus spielen will“, sagt Macci. Sein Tipp: „Wimbledon oder Miami – sie wird zurückkommen, wenn sie glaubt, wirklich mithalten zu können. Man unterschätzt nie das Herz einer Championin.“
Über Jannik Sinner, derzeit in einer Mini-Krise, ist er entspannt: „Er verliert knapp gegen Djokovic und Mensik – das ist kein Drama, das ist Marginalie. Sinner wird zweistellig Slam-Titel sammeln, da lasse ich mir den Bart abkaufen.“
Macci selbst arbeitet weiter sieben Tage die Woche. „Ich bin 69 und fühle mich wie eine Maschine. Venus und Serena sind meine Töchter, Sinner die italienische Flamme. Der Nächste steht schon bereit. Der Tennissport ruft – und ich stehe wieder um drei auf.“
