Reul und schuster zündeln gegen dfl: polizeikosten sollen vereine treffen

Die 52. Sportministerkonferenz auf Norderney wird zur Schicksalswoche für den Profifußball. Herbert Reul und Armin Schuster drohen den Klubs mit der Rechnung, die sie am meisten fürchten: Millonen für Polizei-Einsätze.

Die frist läuft ab

Seit Dezember wartet die Innenministerkonferenz auf echte Bewegung beim Thema Stadionverbote. Nun ist Geduld am Ende. „Wir stehen wieder bei null“, sagt Reul im kicker – und meint damit nicht nur die Verhandlungen, sondern auch die Bereitschaft der Länder, die Kosten der Randale weiterhin zu schultern. Die Drohung ist kalkuliert: Wer sich weigert, Sicherheit in den eigenen Arenen zu garantieren, soll dafür bezahlen, dass der Staat einspringt.

Die Zahlerstellen sind klar. Ein Hochrisiko-Spiel wie Dortmund gegen Bayern kostet die Behörden schnell 1,2 Millionen Euro. Multipliziert man das mit 306 Bundesliga-Partien plus Pokal und Relegation, ergibt sich eine potenzielle Bombe von über 150 Millionen pro Saison. Die DFL weiß das. Deshalb wird in dieser Woche der fast fertige Entwurf für die neue Fachaufsicht an die 36 Proficlubs geschickt – mit dem Auftrag, das Gremium als Korrektiv, nicht als Kontrollinstanz zu verkaufen.

Fans sind nicht das einzige druckmittel

Fans sind nicht das einzige druckmittel

Die Verbände spielen auf Zeit, weil sie wissen: Wer das Stadionverbot zentralisiert, verliert die Kompetenz vor Ort. Die Länder pochen trotzdem auf die „klare und offensichtliche wesentliche Nichteinhaltung von Bestimmungen“ – eine Formulierung, die so sperrig ist wie ein Abwehrriegel mit fünf Mann. Gemeint ist: Erst wenn ein Club offensichtlich versagt, greift die DFB-Fachaufsicht ein. Für Vereine heißt das, sie behalten das Heft in der Hand, müssen aber liefern.

Die innenpolitische Mehrheit ist fragil. Drei Länder blockieren bisher harte Sanktionen, doch Reul und Schuster signalisieren: Wer jetzt nicht mitzieht, bekommt beim nächsten Pyro-Fest die volle Repressalie vor die Füße geknallt. Die Klubs spüren den Wind. Ein Manager aus der zweiten Liga rechnet intern vor: „Wenn wir für zwei Derbys 800 000 Euro Polizeikosten abdrücken müssen, sprengt das die Kasse.“

Die Uhr tickt. Bis Freitag will die Konferenz ein Papier verabschieden, das die DFL in die Pfanne nimmt. Kommt kein verbindlicher Zeitplan, droht Schuster mit dem einschneidendsten Modell: personalisierte Tickets, Blocksperren für Gäste-Fans und ein Drei-Stufen-Plan, der bei jedem Zwischenfall die Hürden für die Vereine erhöht. Die Botschaft ist unmissverständlich: Sicherheit ist kein Marketing-Problem, sondern eine Frage der Liquidität.

Am Ende zählt nur, wer zahlt. Und die Rechnung wird fällig, bevor der nächste Rauchfackel die Luft zerreißt.