Reul und schuster provozieren fans: fanhilfen nennen sicherheitspläne „populistischen irrweg"

Die Innenminister Herbert Reul und Armin Schuster wollten mit ihrem kicker-Interview Druck machen. Stattdessen zündelten sie eine Debatte an, die sich nicht mehr löschen lässt. Der Dachverband der Fanhilfen kontert binnen 24 Stunden – und lässt kein gutes Haar an den CDU-Hardlinern.

Fanhilfen werfen reul und schuster „haltlose behauptungen" vor

„Jeden Samstag und Sonntag schlagen Fans die Hilfsbereitschaft der Polizei in die ausgestreckte Hand", hatte Reul im Interview behauptet. Eine Aussage, die bei den Fanvertretern für blankes Entsetzen sorgt. Danny Graupner, Sprecher des Dachverbandes, spricht von „gefühlten Wahrheiten, die jeder realitätsbasierenden Grundlage entbehren“. Seine Rechnung: In der laufenden Saison brannten zwar 51 Pyrotechnik-Einsätze, doch nur in vier Fällen kam es zu Spielunterbrechungen – keine davon wegen Verletzungen. Die These, Pyro sei „brandgefährlich“, kontert Graupner mit einer Zahl, die wehtut: „Seit 2018 gab es durch Pyrotechnik null Todesopfer, durch Polizeikessel dagegen zwei.“

Die Fanhilfen kritisieren vor allem das gebrochene Versprechen nach der Innenministerkonferenz im Dezember. Schuster hatte damals einen „offenen Dialog“ angekündigt – bis heute keine Einladung. Stattdessen plant das Ministerium laut internem Papier, das SPIEGEL Sport vorliegt, personalisierte Tickets und Gesichtsscanner an jedem Bundesliga-Eingang. Für Graupner ein „schlichter Eklat“: „Wir reden hier über Menschen, nicht über Datensätze.“

Köln-fans demonstrieren schon vor der nächsten heimpartie

Köln-fans demonstrieren schon vor der nächsten heimpartie

Die Wogen sind so hoch wie lange nicht. Im RheinEnergieStadion kursiert ein Aufruf: „Pyro-Show gegen Polizei-Willkür – 15. Minute, Süd“. Die Kurve will sich nicht mehr einschüchtern lassen. Selbst der 1. FC Köln distanziert sich offiziell nicht, intern heißt es: „Wir verstehen die Wut, wir teilen sie nicht.“

Die Liga blickt nervös auf den 34. Spieltag. Sollte es tatsächlich zu flächendeckenden Scannern kommen, droht ein Boykott der Auswärtsfahrer. Das wiederum würde die TV-Bilder lahmlegen – und die ohnehin marode Symbiose aus Staat, DFB und DFL ins Wanken bringen. Denn eines ist klar: Ohne Fans keine Milliardenrechte, ohne Rechte keine Milliarden.

Reul und Schuster haben eine Schneise geschlagen, die sich nicht mehr schließen lässt. Die Frage ist nicht mehr, ob es Eskalationen gibt, sondern wann. Und ob die Politik dann endlich begreift: Der Gegner steht nicht auf der Tribune, sondern im Spiegel.