Renault clio: 36 jahre kampfgeist – warum der kleinwagen alle krisen überlebt

Der Renault Clio feiert 36. Geburtstag – und lacht über Grabredner. Während Ford Fiesta und Opel Corsa straucheln, liefert der Franzose mit der neuen Full-Hybrid-160-CV-Version eine Lektion in Sturheit. 5,5 Liter auf 100 km, 160 PS, 27.690 Euro Spitze – das reicht, um sich gegen Yaris, 208 und Ibiza zu stemmen.

Die plattform bleibt, der charakter wechselt

Renault hat den Clio nicht neu erfunden, sondern neu geschliffen. 4,12 Meter Länge, 39 Millimeter mehr Spurweite vorne, ein Kühlergrill, der sich wie ein Faustschuck präsentiert – das reicht, um aus dem Flirt einen ernsten Bewerber zu machen. Die LED-Tagfahrleuchten zeichnen das Rautenlogo ins Asphaltgedächtnis, das Heck wirkt kantig wie ein Rugbyspieler in Anzug. Die Botschaft: Ich bin kein Spielzeug mehr, ich bin dein erstes richtiges Auto.

Im Cockpit herrscht Google-Kommando. Zehn Zoll Instrumententräger, zehn Zoll Touch, Assistant hört mit – wer will, kann Spotify ohne Smartphone starten. Der kleine Lenkradkranz stammt vom SUV Austral und fühlt sich an wie ein Halbmarathon-Schuh: leicht, direkt, betont sportlich. Alcantara-Applikationen in der Esprit-Alpine-Version verstecken sich zwischen Softtouch und Kunstleder, als wolle Renault sagen: Auch ein Kleinwagen darf kuscheln.

Der hybrid räumt auf

Der hybrid räumt auf

Der neue 1,8-Liter-Sauger arbeitet mit zwei E-Maschinen und einem 1,4-kWh-Akku. Kein Plug-in, dafür ein Multimodus-Automatikgetriebe, das sich wie ein CVT anfühlt, aber keine Gummiband-Mode spielt. Der Clio sprintet in 8,3 Sekunden auf Landstraßentempo, bleibt dabei aber leise wie ein Bibliothekar. In der Stadt fährt er laut Boardcomputer bis zu 80 Prozent elektrisch – ein Wert, der sich im Berliner Berufsverkehr sogar unterbieten lässt.

Der Verbrauch schwankt zwischen 4,8 und 6,1 Liter – je nach Rechtsfuß und Gepäck. Das ist keine Zauberei, sondern Thermodynamik: Der Atkinson-Prozess des Benziners sennt den effektiven Hub, die E-Maschinen füllen Löcher im Drehzahlband. Resultat: Ein 160-PS-Kleinwagen, der mit dem Sparzwang eines Diesel-Funktionärs umgeht.

Spanien verliert, clio gewinnt

Spanien verliert, clio gewinnt

Früher rollte der Clio in Valladolid vom Band, jetzt kommt er aus Bursa – Türkei statt Iberien. Doch die Zahlen sprechen für sich: Über 16 Millionen Einheiten seit 1990, allein 1,2 Millionen in Spanien zugelassen. Die Werke in Palencia und Sevilla profitieren weiterhin von Zulieferaufträgen, der Clio zahlt weiter Pensionsbeiträge – nur eben mit türkischem Stempel im Fahrzeugschein.

Preisliste: 18.900 Euro springt die Saug-Benzin-Version an, 23.270 Euro kostet der Hybrid-Einstieg. Für 27.690 Euro gibt es Esprit Alpine mit 160 PS – inklusive Sportsitzen, 17-Zoll-Felgen und Sound-Generator, der im Sport-Modus wie ein gedämpfter V6 flüstert. Sommer-Trumpf: Der Clio Eco-G 120 mit Autogas-Automatik für 1.450 Kilometer Reichweite und ECO-Plakette – ein Schachzug gegen steigende Spritpreise und flächendeckende Diesel-Bannzonen.

Der Clio ist kein Held, er ist ein Überlebenskünstler. Er bietet keinen 300-Kilometer-Elektrohub, keinen Cupra-Drift, keinen Design-Taumel. Er liefert aber das, was europäische Käufer wirklich wollen: Ein Auto, das morgens startet, abends parkt und dazwischen nicht nervt. 36 Jahre nach seinem Debüt ist er das letzte Aufgebot der Vernunft – und das reicht, um Geschichte zu schreiben.