Reitz zieht die notbremse: gladbach-kapitän vor flucht ins leipzig-abseits

Rocco Reitz packt die Koffer, bevor der Abstieg besiegelt ist. Während Borussia Mönchengladbach im Keller wühlt, plant der 22-jährige Spielführer den nächsten Karrieresprung – und RB Leipzig wartet bereits mit dem Koffer voller Euro. Die Szene erinnert an einen Fluchtversuch kurz vor dem Untergang.

Patrick helmes sieht den zeitpunkt als sabotage

Patrick Helmes, einst Stürmer der Fohlen, spuckt Gift. „Reitz ist einer, der noch Geld bringt“, sagt er am Rande des Freitagsspiels gegen St. Pauli. Die Wortwahl ist kein Zufall: Noch Geld bringen heißt, dass der Verein ihn jetzt verkaufen muss, beiläufig, lautlos – und vor allem: bevor der Abstieg die Ablöse in den Keller schickt. Helmes nennt das Gerücht ein „ungewöhnliches Nebengeräusch“, doch der Begriff trügt. Es ist ein Tumult, das die Kabine erschüttert.

Die Statistik liefert den Beweis für Helmes’ zweiten Vorwurf: Reitz steckt seit sieben Spielen im Formloch, ohne Tor, ohne Assist, dafür mit sieben Niederlagen in Folge. Wer einen Kapitän braucht, der die Binde hochhält, wenn es brennt, findet stattdessen einen Spieler, der den Rauch schon vor dem Feuer verlässt.

Schröder bestätigt: „sehr, sehr unwahrscheinlich“

Schröder bestätigt: „sehr, sehr unwahrscheinlich“

Am Donnerstag hatte Sport-Geschäftsführer Rouven Schröder bereits die Weiße Fahne hissen. Ein Verbleib sei „sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagt er und wiederholt das „sehr“ wie einen letzten Appell an die Fans: Gebt euch keine Illusionen mehr. Die Ehrlichkeit ist erfrischend, aber sie schmeckt wie Gallen. Reitz war das Gesicht der neuen Gladbach-Ära, jetzt wird er zum Symbol für eine gescheitte Saison.

Die Ablöse soll bei 18 Millionen Euro liegen, plus Boni. Für Leipzig ein Schnäppchen, für Gladbach ein Rettungsanker, der vielleicht schon zu spiel kommt. Die Leipziger Planer wissen: Reitz passt ins Profil – jung, deutsch, ballsicher, und vor allem: verzweifelt genug, um den nächsten Schritt zu wagen. Die Frage ist nur, ob er nach dem halben Jahr Form-Talfahrt überhaupt noch Starterqualität hat.

Während die Fans am Freitagabend gegen St. Pauli die Abstiegsangst herunterpfeifen, sitzt Reitz auf der Tribüne – gelb-rot-gesperrt, aber auch abwesend im Kopf. Die Welle, die Helmes erwähnt, wird ihm entgegenschlagen, ganz gleich, wie das Spiel endet. Die erste Pfiffe sind schon eingeprobt.

Am Niederrhein bleibt ein Vakuum, das keiner füllen kann. Die Identifikationsfigur wird zurTransfermasse, der Kapitän zum Geschäft. Und wenn die Saison vorbei ist, steht Borussia vielleicht in Liga zwei – ohne Reitz, ohne Hoffnung, aber mit 18 Millionen auf der Bank. Ein Preis, der die Liga versiegeln kann.