Reitz fliegt nur 90 minuten – gladbach spürt den schmerz trotz mildem urteil

Rocco Reitz darf nur eine Partie zuschauen, doch diese eine Partie könnte die Saison kippen. Das Sportgericht der DFL stufte das Foul an Harry Kane als Notbremse ein, blieb beim Minimum: ein Spiel Sperre. Der Kapitän fällt somit am Freitag gegen FC St. Pauli aus – und genau dort liegt der Haken.

Der teufel steckt im derby-kalender

Gerade eben noch sprintete Reitz durch die Münchner Nacht, um Kane den Weg zum Ausgleich zu verwehren. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff riss er den Engländer nieder, sah Rot, lief mit gesenktem Kopf vom Platz. Nun steht fest: Er kann bereits am 21. März, 15.30 Uhr, im Rheinderby gegen den 1. FC Köln, wieder auflaufen. Die Pflicht ist erledigt – doch die Kür wird zum Problem.

Denn St. Pauli ist kein Gegner wie jeder andere. Die Kiezkicker haben in dieser Spielzeit schon Freiburg und Leipzig aus dem Park verbannt, kassierten in den letzten fünf Heimspielen nur zwei Gegentore. Für Gladbach, das seit vier Partien sieglos ist, droht der Abstand zum Relegationsplatz zu schrumpfen. Die Statistik nagt: Ohne Reitz gewann die Fohlenelf in dieser Saison nur eines von sechs Spielen.

Die lücke sitzt tiefer als eine sperre

Die lücke sitzt tiefer als eine sperre

Trainer Gerardo Seoane muss nun umbauen – und verliert dabei mehr als nur einen Mittelfeldanker. Reitz ist nicht nur Ballverteiler, er ist Lautsprecher. 34,2 % aller Pässe in die letzte Drittel laufen über seine Füße, kein Teamkollege kommt auf mehr Ballgewinne im Mittelfeld. Sein Ersatz, Philipp Sander, lieferte zuletzt in Leverkusen eine solide Vorstellung, doch die Stimme fehlte. Die Borussen wirkten wie ein Orchester ohne Dirigent.

Die Entscheidung des Gerichts kam schneller als erwartet – und entlastet den Verein finanziell. Eine längere Sperre hätte Gladbach in die Grätsche genommen, wäre eventuell ein Präzedenzfall gewesen. Doch der Preis bleibt hoch: Drei Punkte gegen St. Pauli, das wären neun Zähler Vorsprung auf Stuttgart. Jetzt? Ein Punkt wäre Erfolg, Null Punkt Katastrophe. Die Saison wird in 90 Minuten neu geschrieben – ohne ihren jungen Mann an der Seitenlinie.