Elf stunden verhör, dann abschiebung – somalias wm-schiedsrichter fliegt raus
Omar Artan stand am Gate von Miami, das gelbe Ticket in der Jackentasche, der Traum zum Greifen nah. Drei Tage später sitzt er wieder in Istanbul und bricht in Tränen aus. Der erste WM-Einsatz eines somalischen Schiedsrichters wurde nach elf Stunden Verhör und einer Nacht in Isolationshaft abgeblasen.
„Sie sagten kein wort – nur fingerabdruck, foto, weg“
„Ich hatte alles: gültiges Visum, FIFA-Akkreditierung, die komplette Papiermappe“, erzählt der 34-Jährige der New York Times. Statt Einlass erhielt er Handschellen. Die Beamten der US Customs and Border Protection durchsuchten sein Gepäck, durchleuchteten sein Handy, stellten immer dieselben Fragen. Warum er aus Somalia stamme. Ob er je mit Al-Shabaab in Kontakt gestanden habe. Ob er in den USA bleiben wolle.
Die Antwort blieb dieselbe: Er sei Schiedsrichter, nicht Politiker. Zweimal durfte er auf die Toilette, einmal Wasser trinken. Dann kam die Mitteilung: „Security concerns“. Keine Details. Kein Einspruch. Nur ein Rückflugticket nach Istanbul.

Afrikas bester pfiff bleibt draußen
Artan war 2025 zum Referee of the Year in Afrika gewählt worden. Er sollte in den nächsten Wochen in New York, Atlanta und Los Angeles pfeifen. Stattdessen schaut er jetzt im Hotel-TV zu, wie andere seine Linien laufen. „Ich habe nichts als meine Pfeife“, sagt er und hält sie hoch – die silberne Fox 40, die ihn in Mogadischu zum Star machte.
Die FIFA schweigt. Der Weltverband hatte extra eine Quote für Schiedsrichter aus sogenannten „Entwicklungsländern“ aufgestockt. Jetzt fehlt auf der Liste der 99 Unparteiischen ein Name – und zwar ausgerechnet der, der Geschichte schreiben sollte.

Trumps einreisebann trifft den sport
Somalia steht seit 2017 auf der Liste der Einreiseverbote, die die Trump-Administration per Executive Order verhängte. Auch nach mehreren Gerichtsentscheidungen bleibt der Passus: „Enhanced vetting“ für Bürger bestimmter Länder. Artan trägt einen Diplomatenpass, ausgestellt vom somalischen Sportministerium. Trotzdem landete er auf der No-Entry-Liste.
Die CBP teilt auf Anfrage lediglich mit, man könne „aus Sicherheitsgründen keine Details nennen“. Ein offizieller Grund bleibt aus. Für Artan ist das Urteil trotzdem klar: „Es geht nicht um meine Papiere. Es geht um meinen Pass. Und der ist somalisch.“
Die WM startet am Donnerstag. Omar Artan wird zu Hause in Mogadischu sitzen, die Pfeife im Regal, die Tränen in den Augen – und das gelbe Ticket als Andenken an das Turnier, das er nie betreten durfte.
